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Zweimal den Spieß umgedreht: Ingolstädter Rentner führt Telefonbetrüger erneut in die Falle

526663 (CC0), Pixabay
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Mit Ruhe, Aufmerksamkeit und der Unterstützung seiner Tochter hat ein 85-jähriger Rentner aus Ingolstadt erneut Telefonbetrügern das Handwerk gelegt. Bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres gelang es dem Senior, sogenannte Schockanrufer in eine Falle zu locken und der Polizei zu einer Festnahme zu verhelfen. Die Ermittler sprechen von einem beispielhaften Verhalten, das andere Betroffene ermutigen soll.

Der aktuelle Fall ereignete sich am Dienstag, als der Mann einen Anruf von angeblichen Polizisten erhielt. Die Täter setzten ihn massiv unter Druck und behaupteten, seine Enkelin habe einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht. Um eine sofortige Untersuchungshaft zu vermeiden, müsse er angeblich eine Kaution hinterlegen. Die Betrüger forderten Bargeld sowie Wertgegenstände und drängten auf eine schnelle Übergabe.

Der Rentner erkannte die Masche. Statt den Anruf sofort zu beenden, entschied er sich, die Betrüger am Telefon hinzuhalten. Er signalisierte Zahlungsbereitschaft und gab an, 10.000 Euro Bargeld sowie mehrere Krügerrandmünzen bereitzulegen. Währenddessen informierte seine Tochter im Hintergrund die echte Polizei, ohne dass die Anrufer Verdacht schöpften.

Die Beamten bereiteten einen Zugriff vor und nahmen am vereinbarten Übergabeort einen 20-jährigen Abholer fest. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen, er sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Die Polizei geht davon aus, dass der junge Mann Teil eines größeren Betrugsnetzwerks ist und als sogenannter „Finanzagent“ eingesetzt wurde.

Besonders außergewöhnlich ist, dass Vater und Tochter bereits im September des vergangenen Jahres einen nahezu identischen Betrugsversuch vereitelt hatten. Damals hatten falsche Polizisten versucht, den damals 84-Jährigen zur Übergabe von mehr als 60.000 Euro zu bewegen. Auch in diesem Fall hatten die Täter behauptet, eine nahe Verwandte – eine Nichte – habe einen tödlichen Unfall verursacht. Wieder reagierten der Rentner und seine Tochter ruhig und überlegt und ermöglichten so die Festnahme einer Abholerin.

Das Polizeipräsidium Oberbayern Nord lobte das Vorgehen ausdrücklich. Schockanrufe zählen zu den perfidesten Betrugsmaschen, da sie gezielt Angst, Schuldgefühle und Zeitdruck ausnutzen. Viele Opfer handeln aus Sorge um ihre Angehörigen überstürzt und verlieren hohe Geldbeträge. Umso wichtiger sei es, im Ernstfall misstrauisch zu bleiben, Rücksprache mit Familienmitgliedern zu halten und sofort die Polizei zu informieren.

Der Fall aus Ingolstadt zeigt eindrucksvoll, dass Aufmerksamkeit und schnelles Handeln Betrügern das Handwerk legen können. Die Polizei nutzt das Beispiel, um erneut vor Schockanrufen zu warnen und appelliert an Angehörige, insbesondere ältere Menschen über diese Maschen aufzuklären.

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