Es ist früh am Morgen, die ersten Sonnenstrahlen brechen über dem Hostages Square durch. Menschen halten Fotos hoch, Tränen laufen lautlos über Wangen, und irgendwo spielt jemand auf leisen Lautsprechern das Lied „Shir LaShalom“ – ein Lied des Friedens. Denn heute ist kein gewöhnlicher Tag.
Heute kehren Geiseln heim.
Die Entführung, die ein ganzes Land erschütterte
Am 7. Oktober 2023, an einem ruhigen Sabbatmorgen, änderte sich alles. Die Hamas durchbrach die israelischen Grenzanlagen rund um den Gazastreifen in einer massiven, koordinierten Aktion. Innerhalb weniger Stunden wurden über 250 Menschen – darunter Kinder, Mütter, Väter, Großeltern – aus ihren Häusern, Autos oder Schutzräumen entführt und in den Gazastreifen verschleppt.
Was folgte, war ein Albtraum in Echtzeit. Israel war geschockt. Die Welt hielt den Atem an. Auf Bildschirmen liefen Videos von panischen Familien, zerstörten Kibbuzen und weinenden Angehörigen.
Zwei Jahre im Schatten der Ungewissheit
Seit jenem Tag lebten Hunderte Familien zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Manche bekamen Zeichen des Lebens, andere nichts als das schmerzhafte Schweigen.
„Man gewöhnt sich nicht an das Warten“, sagte Yael Berman, deren Sohn Ziv heute freigelassen wird, vor wenigen Tagen. „Jeden Morgen wachst du auf – und hoffst, dass es der letzte Tag ist, an dem du ihn vermisst.“
Internationale Vermittlungsversuche scheiterten lange. Waffenruhen kamen, brachen, kamen erneut. Namen wurden genannt, dann wieder gestrichen. Einige Geiseln wurden in stillen Tauschaktionen freigelassen. Andere starben – im Bombenhagel oder an der Isolation.
Und dennoch: Die Angehörigen gaben nicht auf. In Tel Aviv entstand ein Mahnmal, das „Geiselplatz“ (Hostages Square) genannt wurde – ein Ort der Hoffnung, der Mahnung, der Liebe.
Ein Wendepunkt: Waffenruhe und Hoffnung
In den letzten Wochen intensivierten sich die Verhandlungen – vermittelt durch Katar, Ägypten und die USA. Und endlich, Anfang Oktober 2025, wurde eine Vereinbarung erzielt: Hamas erklärt sich bereit, 20 israelische Geiseln freizulassen – im Gegenzug für humanitäre Hilfen und die Freilassung palästinensischer Gefangener.
Heute, zwei Jahre nach ihrer Entführung, werden diese 20 Menschen heimkehren. Unter ihnen:
Bar Avraham Kuperstein, Gali Berman, Omri Miran, Rom Braslavsky, Ariel Konio – Gesichter, die auf Postern das Land über zwei Jahre hinweg geprägt haben.
Die Rückkehr
Die Rückführung begann am frühen Morgen. Rotes-Kreuz-Fahrzeuge wurden im Gazastreifen gesichtet. Hubschrauber des israelischen Militärs begleiteten die Konvois. Familien versammelten sich auf Militärstützpunkten und in Krankenhäusern – in der Hoffnung auf eine Umarmung, auf ein „Ich bin da“.
Viele dieser Menschen haben physische wie psychische Narben. Die kommenden Monate werden heilen müssen, was kein Mensch erleben sollte. Aber heute zählt nur eins: Sie leben.
Was bleibt
Diese Freilassung ist nicht das Ende. Noch immer befinden sich Menschen in Gefangenschaft. Noch immer sind Fragen offen: Wer versagte? Was hätte verhindert werden können? Und: Wann hören solche Gräuel endlich auf?
Aber heute – heute zählt nicht die Politik. Heute zählt das Menschsein.
Ein Vater sieht seine Tochter wieder. Ein Bruder schließt seinen Bruder in die Arme. Eine Mutter weint – vor Freude.
Ein Sonnenaufgang nach zwei Jahren Dunkelheit.
Möge er der Anfang von etwas Neuem sein.
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