Airbus muss sich in Großbritannien auf massive Produktionsstörungen einstellen. Die Gewerkschaft Unite, die mehr als 3.000 Beschäftigte des Flugzeugbauers vertritt, hat einen zehntägigen Streik angekündigt. Hintergrund ist ein seit Monaten schwelender Tarifkonflikt um Löhne und Arbeitsbedingungen. Obwohl Airbus zuletzt ein verbessertes Angebot vorgelegt hatte, stimmten rund 90 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder für einen Arbeitskampf – ein deutliches Signal für die Unzufriedenheit in der Belegschaft.
Zentrale Bedeutung der britischen Werke
Besonders brisant ist die Lage, weil die betroffenen Standorte in Großbritannien eine Schlüsselrolle in der internationalen Airbus-Produktion einnehmen. In den Werken in Broughton (Wales) und Filton (England) werden die Flügel für die Airbus-Verkehrsflugzeuge, darunter die A320- und A350-Serien, gefertigt. Auch militärische Maschinen wie der Transporter A400M sind von der Produktion abhängig. Jeder Ausfall in der Flügelproduktion hat daher direkte Auswirkungen auf die globalen Lieferketten.
Geplante Streiktage und mögliche Ausweitung
Die ersten Streiktage wurden bereits festgelegt: Am 2. und 3. September sowie am 10. und 11. September werden die Beschäftigten die Arbeit niederlegen. Unite hat jedoch klargestellt, dass dies nur der Anfang sein könnte. Sollten die Verhandlungen bis dahin keine Fortschritte bringen, sind weitere Ausstände vorgesehen. Damit wächst die Gefahr, dass es zu einem zehntägigen Streik kommt, der im schlimmsten Fall über den September hinaus verlängert werden könnte.
Forderungen und Argumente der Gewerkschaft
Die Gewerkschaft Unite fordert deutliche Lohnerhöhungen und bessere Arbeitsbedingungen. Angesichts gestiegener Lebenshaltungskosten und einer hohen Inflation in Großbritannien seien die bisherigen Angebote des Unternehmens nicht ausreichend. Zugleich verweist die Gewerkschaft auf die Rekordauftragslage von Airbus: Der Flugzeugbauer profitiert vom weltweiten Aufschwung der Luftfahrtbranche nach der Pandemie und meldet volle Auftragsbücher. Die Beschäftigten wollen stärker an diesem Erfolg beteiligt werden.
Reaktion von Airbus
Airbus zeigte sich enttäuscht über die klare Entscheidung der Beschäftigten. Das Unternehmen betont, dass man bereits mit einer verbesserten Offerte auf die Forderungen reagiert habe. Dennoch will der Konzern im Gespräch bleiben und sucht weiterhin eine Einigung, um den Produktionsfluss nicht zu gefährden. Eine Eskalation wäre für Airbus nicht nur mit wirtschaftlichen Schäden, sondern auch mit Reputationsverlusten verbunden.
Mögliche Folgen für die Branche
Branchenexperten warnen, dass ein längerer Streik erhebliche Konsequenzen haben könnte. Schon jetzt kämpft die Luftfahrtindustrie mit Engpässen in den Lieferketten, steigenden Energie- und Rohstoffpreisen sowie einem hohen Druck, Liefertermine einzuhalten. Sollten die Flügelwerke in Großbritannien stillstehen, könnten Auslieferungen neuer Flugzeuge an Airlines verzögert werden – und das in einer Phase, in der die Nachfrage nach neuen Maschinen wieder deutlich steigt.
Fazit
Der Tarifstreit bei Airbus UK spitzt sich zu. Für die Gewerkschaft steht viel auf dem Spiel, doch auch der Konzern kann sich längere Produktionsausfälle kaum leisten. Ob beide Seiten noch rechtzeitig eine Lösung finden, bevor der Streik seine volle Wirkung entfaltet, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die kommenden Wochen werden entscheidend sein – nicht nur für die Beschäftigten in Großbritannien, sondern für den gesamten Konzern und seine Kunden weltweit.
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