Über Jahre hinweg segnete die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY die Bilanzen von Wirecard ab – und bestätigte damit fröhlich Millionen, die es gar nicht gab. Als das Kartenhaus zusammenbrach, staunte die Finanzwelt nicht schlecht. Doch wer haftet jetzt für das Desaster? Laut dem Bayerischen Obersten Landesgericht jedenfalls nicht EY – schließlich seien die Prüfer nicht für die Konzern-Kommunikation verantwortlich, sondern nur für das akkurate Durchwinken kreativer Buchhaltung.
In einer einstündigen Erklärung machte die Gerichtspräsidentin Andrea Schmidt klar: EY ist raus. Die Verantwortung für die falschen Zahlen liege allein bei Wirecard selbst. Die Klage gegen die Wirtschaftsprüfer wurde daher abgewiesen, was die Klägerseite wenig begeistert aufnahm.
Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz ist wenig begeistert. „Wir halten die Entscheidung für falsch“, so Daniela Bergdolt. Anwalt Peter Mattil sprach von einem „enttäuschenden Tag“ – eine Formulierung, die sich bei Wirecard-Investoren vermutlich eingebrannt hat. Die Kläger planen, den Bundesgerichtshof einzuschalten – weil langwierige Prozesse offensichtlich ein Hobby geworden sind.
EY gab sich derweil betont gelassen: „Es bestehen keine Ansprüche gegen uns.“ Das sagt natürlich niemand Geringeres als EY selbst. Das eigentliche Musterverfahren läuft dennoch weiter, denn es gibt noch eine ganze Liste an Forderungen gegen andere Beteiligte.
Währenddessen steht Ex-Wirecard-Chef Markus Braun weiter in München vor Gericht, begleitet von seinem ehemaligen Chefbuchhalter Stephan von Erffa und dem Dubai-Statthalter Oliver Bellenhaus. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen bandenmäßigen Betrug vor – und wer sich noch an das Wirecard-Drama erinnert, dürfte sich über diese Anschuldigung nicht wundern.
Wer auf eine baldige Entscheidung hofft, kann sich entspannen – und zwar über Jahre hinweg. „Ein zeitlicher Horizont ist nicht absehbar“, so Gerichtssprecher Laurent Lafleur. Bis dahin bleibt Wirecard ein Paradebeispiel dafür, wie Milliarden verschwinden können, ohne dass sich irgendjemand verantwortlich fühlt.
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Das ehrenwerte Gericht hat die Geschäftsberichte von 2015, 2016 und 2017 nicht gelesen, sodass der STATTHALTER von Duba weiteri glaubwürdig bleibt!