Dem früheren Wirecard-Chef Markus Braun droht im Zusammenhang mit dem Bilanzskandal des 2020 zusammengebrochenen DAX-Konzerns eine mehr als zehnjährige Freiheitsstrafe. Das geht aus einem Beschluss des Oberlandesgerichts (OLG) München vom 4. Dezember hervor, über den das Handelsblatt berichtet.
Das Gericht wies darin eine Beschwerde Brauns gegen seine Untersuchungshaft zurück, die mittlerweile seit fast fünfeinhalb Jahren andauert.
Schwerwiegender Tatverdacht
Braun steht seit Dezember 2022 gemeinsam mit zwei ehemaligen Führungskräften vor dem Landgericht München I. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, über Jahre hinweg Milliardenumsätze erfunden und Bilanzen manipuliert zu haben. Nach Ansicht des OLG bestehen gegen Braun dringende Tatverdachtsmomente.
Gestützt wird diese Einschätzung unter anderem auf über 200 Zeugenaussagen aus bisher mehr als 230 Verhandlungstagen. Der entstandene wirtschaftliche Schaden wird von den Richtern auf mindestens 747 Millionen Euro beziffert – ein Wert, der bei der Strafzumessung eine wesentliche Rolle spielt.
Fluchtgefahr und ungeklärte Vermögenswerte
Das Gericht sieht weiterhin eine erhebliche Flucht- und Verdunkelungsgefahr. Es gebe Hinweise darauf, dass Braun Vermögenswerte in Höhe von mehreren Millionen Euro zur Seite geschafft haben könnte, die im Falle einer Flucht zur Finanzierung dienen könnten. Wo sich diese Mittel befinden, sei bislang unklar.
Braun selbst weist sämtliche Vorwürfe zurück und betont, dass er sich dem Gerichtsverfahren stelle. Die Beweisaufnahme soll im ersten Quartal 2026 abgeschlossen werden, mit einem Urteil wird im zweiten Quartal gerechnet.
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