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Wird der Mensch immer kälter? Forscher entdecken erstaunlichen Rückgang unserer Körpertemperatur

qimono (CC0), Pixabay
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37 Grad Celsius gelten seit Generationen als normale Körpertemperatur des Menschen. Doch wissenschaftliche Untersuchungen stellen diesen bekannten Richtwert zunehmend infrage. Offenbar war der menschliche Körper vor 150 Jahren durchschnittlich wärmer als heute. Wissenschaftler suchen nach den Ursachen.

Die Geschichte beginnt im 19. Jahrhundert in Leipzig. Dort untersuchte der deutsche Arzt Carl Reinhold August Wunderlich über einen Zeitraum von 15 Jahren die Körpertemperatur von rund 25.000 Patienten.

Aus mehr als einer Million Messungen leitete er einen durchschnittlichen Wert von 37 Grad Celsius ab. Diese Zahl wurde weltweit zum medizinischen Maßstab.

Doch möglicherweise hat sich die Normaltemperatur des Menschen seitdem verändert.

Durchschnittstemperatur deutlich gesunken

Forscher der amerikanischen Stanford University untersuchten historische und moderne Gesundheitsdaten von insgesamt fast 190.000 Menschen.

Dabei stellten sie fest, dass die durchschnittliche Körpertemperatur über mehrere Generationen zurückgegangen ist.

Bei amerikanischen Männern lag sie im Vergleich zum frühen 19. Jahrhundert um ungefähr 0,59 Grad Celsius niedriger.

Nach Einschätzung der Wissenschaftler könnte die heutige durchschnittliche Körpertemperatur Erwachsener eher bei rund 36,4 Grad liegen.

Sind wir heute einfach gesünder?

Eine mögliche Erklärung erscheint zunächst überraschend: Der Rückgang könnte mit einer verbesserten Gesundheit zusammenhängen.

Vor 150 Jahren litten Menschen wesentlich häufiger unter chronischen Infektionen, Tuberkulose, schweren Zahnerkrankungen und anderen Entzündungen.

Das Immunsystem musste dauerhaft arbeiten und verbrauchte entsprechend Energie. Dadurch entstand zusätzliche Körperwärme.

Heute profitieren Menschen von Impfungen, Antibiotika, besserer Hygiene und moderner medizinischer Versorgung.

Auch Heizungen und Klimaanlagen könnten eine Rolle spielen. Unser Körper muss weniger Energie aufwenden, um seine Temperatur bei wechselnden Umweltbedingungen konstant zu halten.

Oder waren die alten Thermometer ungenau?

Nicht alle Forscher sind überzeugt, dass sich unsere Körpertemperatur tatsächlich so stark verändert hat.

Historische Thermometer waren teilweise anders kalibriert als heutige Geräte. Zudem wurden Temperaturen früher häufig unter dem Arm gemessen.

Solche Unterschiede erschweren einen unmittelbaren Vergleich.

Allerdings zeigen auch Untersuchungen innerhalb historischer Datensätze einen langfristigen Temperaturrückgang. Das spricht dafür, dass nicht allein die Messmethoden verantwortlich sind.

Müssen wir die berühmten 37 Grad neu bewerten?

Die Wissenschaft empfiehlt inzwischen, die Körpertemperatur differenzierter zu betrachten.

Alter, Geschlecht, Tageszeit und individuelle körperliche Voraussetzungen beeinflussen den jeweiligen Normalwert.

Deshalb bedeuten 37 Grad nicht automatisch Fieber. Umgekehrt können auch niedrigere Temperaturen bei bestimmten Menschen bereits auf eine Erkrankung hinweisen.

Unser Fazit:

Die Forschung zeigt, dass selbst scheinbar unveränderliche medizinische Grundwerte hinterfragt werden müssen.

Vielleicht ist der Mensch in den vergangenen 150 Jahren tatsächlich etwas kühler geworden.

Ob wir deshalb auch einen kühleren Kopf bekommen haben, ist wissenschaftlich allerdings noch nicht geklärt.

Redaktion diebewertung.de

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