In Manila stehen nicht nur Fahrzeuge still, sondern zunehmend auch Existenzen. Hunderte Fahrer von Jeepneys, Motorradtaxis und Fahrdiensten sind in der philippinischen Hauptstadt in den Streik getreten. Ihr Vorwurf an die Regierung: zu spät, zu wenig, zu hilflos.
Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar haben sich Diesel- und Benzinpreise auf den Philippinen mehr als verdoppelt. Für ein Land, das fast vollständig von Energieimporten aus der Golfregion abhängt, ist das keine bloße Teuerung mehr – es ist ein sozialer Notfall. Präsident Ferdinand Marcos Jr. hat inzwischen den nationalen Energie-Notstand ausgerufen. Doch auf den Straßen von Manila klingt das weniger nach Handlungsfähigkeit als nach verspätetem Eingeständnis.
„Es fühlt sich an, als würden wir erdrosselt“, sagt ein Fahrer. Ein anderer berichtet, er habe stundenlang für staatliche Soforthilfe angestanden – nur um festzustellen, dass sein Name nicht auf der Liste steht. Kein Geld, keine Einnahmen, kein Essen für die Familie. Für viele geht es längst nicht mehr um Politik, sondern um die Frage, wie man morgen noch Milch, Miete und Reis bezahlt.
Angeführt wird der Protest von der Transportgewerkschaft Piston, die drastische Maßnahmen fordert: Weg mit der Kraftstoffsteuer, Rücknahme der Preissprünge, stärkere staatliche Kontrolle des Marktes, höhere Löhne, höhere Fahrpreise. Die Regierung bietet dagegen Zuschüsse, Sparprogramme und Notstandsverwaltung. Es ist der klassische Krisenmodus moderner Staaten: Ein bisschen Hilfe, viel Verwaltung, wenig strukturelle Lösung.
Besonders bitter: Selbst die angekündigte Unterstützung von 5.000 Pesos kommt offenbar bei vielen Betroffenen nicht an. Wer leer ausgeht, steht doppelt im Regen – erst an der Zapfsäule, dann am Amt.
Für Pendler bedeutet der Streik stundenlange Wartezeiten in einer ohnehin chronisch verstopften Metropole. Doch selbst viele Fahrgäste zeigen Verständnis. Denn sie wissen: Wenn die Fahrer nicht mehr fahren können, ist das nicht bloß ein Verkehrsproblem. Es ist ein Symptom dafür, dass die Krise längst im Alltag angekommen ist.
Die Philippinen sind das erste Land weltweit, das wegen des Iran-Kriegs offiziell den Energie-Notstand ausruft. Vermutlich nicht das letzte.
Denn wenn ein Konflikt am Golf dafür sorgt, dass in Manila Familien vor der Räumung stehen, dann zeigt sich wieder einmal die brutale Wahrheit der Globalisierung:
Geopolitik beginnt oft weit weg – und endet sehr schnell am Küchentisch.
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