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„Wir überleben nur noch“: In Gaza wird Geld jetzt repariert

hosnysalah (CC0), Pixabay
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Auf einem Markt in Gaza-Stadt sitzt Baraa Abu al-Aoun an einem kleinen Tisch am Straßenrand. Vor ihm liegt ein zerknitterter 100-Schekel-Schein, blass, rissig, fast unbrauchbar. Mit Lineal, Bleistift, Farbstift und viel Geduld gibt er dem Geldschein neues Leben. „Ich will den Menschen helfen“, sagt er. „In Gaza zählt jeder Schein.“

Banknoten reparieren statt studieren

Eigentlich wollte Baraa studieren. Doch der Krieg hat ihm seine Pläne genommen. Statt an der Universität sitzt er nun auf dem Markt und verdient ein wenig Geld mit einem Beruf, der in Gaza traurige Aktualität gewonnen hat: Geldrestaurator.

Seit dem Angriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023 und der darauffolgenden israelischen Militäraktion ist der Gazastreifen wirtschaftlich kollabiert. Israels Regierung stoppte die Einfuhr von Bargeld – auch, um eine mutmaßliche Finanzierung der Hamas zu verhindern. Viele Banken wurden bombardiert oder geplündert. Heute funktionieren keine Geldautomaten mehr, und Bargeld ist so rar, dass selbst alte, beschädigte Scheine einen Wert haben.

Tauschgeschäft mit hohen Hürden

Weil Bargeld kaum noch zirkuliert, boomt das Geschäft der sogenannten Geldhändler. Sie wandeln digitale Überweisungen in Bargeld um – zu horrenden Provisionen, die zeitweise bis zu 50 % betragen. Selbst jetzt, nach einer siebensiebenwöchigen Waffenruhe, sind es oft noch 20 % bis 30 %.

„Du hast keine Wahl“, sagt Abu Khalil, ein pensionierter Lehrer. „Wenn ich 2.000 Schekel Gehalt bekomme, gehen fast 1.000 davon an Gebühren.“ Trotzdem steht er stundenlang in der Schlange vor einer der wenigen Bankfilialen, die wieder geöffnet sind.

Elektronisches Geld als Notlösung

Die palästinensische Währungsbehörde (PMA) fördert seit Kriegsbeginn die Nutzung von E-Wallets. Mehr als 500.000 Menschen nutzen mittlerweile die bargeldlose Variante. Selbst ohne Internetverbindung können Nutzer mit einfachen Handys per SMS bezahlen – ein Segen in einem Gebiet, das von Stromausfällen und zerstörter Infrastruktur geplagt ist.

Hilfsorganisationen wie UNICEF oder das Welternährungsprogramm nutzen E-Wallets, um Geld direkt an Bedürftige zu schicken. Priorität haben Kinder, Schwangere, Stillende und Familien in extremer Not.

„Die Menschen kaufen zuerst Essen und Wasser, dann Hygieneartikel, dann Strom für Generatoren“, sagt Jonathan Crickx von UNICEF. Doch die Preise sind hoch: Zwei Kilo Tomaten kosten derzeit rund 80 US-Dollar, fünf Kilo Zwiebeln 70.

Überleben – und reparieren

In dieser Notlage ist Baraa Abu al-Aouns ungewöhnlicher Beruf zur Lebensader für viele geworden. Für eine kleine Gebühr flickt er beschädigte Geldscheine, malt Farben nach, klebt Risse – aber nie mit Klebeband, wie sein Schild betont: „Professionelle Reparatur ohne Tesa.“

„Der Krieg hat alles verändert“, sagt Baraa. „Aber solange ich etwas tun kann, will ich helfen.“ Gleichzeitig sehnt er sich nach einem normalen Leben: „Ich will studieren, arbeiten, ein Mensch sein.“

Doch bis dahin gilt in Gaza vor allem eins: überleben.

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