In Leipzig sind heute zahlreiche Beschäftigte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in den Streik getreten. Aufgerufen dazu hat die Gewerkschaft Verdi, um in den laufenden Tarifverhandlungen für spürbare Verbesserungen bei Löhnen und Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Betroffen sind vor allem Beschäftigte im Rettungsdienst sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kindertagesstätten des DRK.
Hintergrund der Proteste
Nach Angaben von Verdi liegen die Entgelte beim DRK im Schnitt etwa zehn Prozent unter denen anderer Träger. Beschäftigte beklagen, dass sie bei gleicher Qualifikation und Verantwortung weniger verdienen als Kolleginnen und Kollegen in kommunalen Einrichtungen. „Das ist weder gerecht noch zukunftsfähig“, heißt es vonseiten der Gewerkschaft.
Neben einer Anpassung der Gehälter fordert Verdi auch eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 38,5 Stunden sowie eine Erhöhung des jährlichen Grundurlaubs auf 31 Tage. Ziel sei es, die hohe Arbeitsbelastung zu senken und die Attraktivität der sozialen Berufe zu stärken.
Belastung im Rettungsdienst und in der Betreuung
Vor allem im Rettungsdienst sehen sich die Beschäftigten einer dauerhaften Überlastung ausgesetzt. Notrufe, Schichtdienst, Überstunden und psychischer Druck seien seit Jahren Alltag. Auch in den DRK-Kindertagesstätten herrscht ein ähnliches Bild: Personalmangel, steigende Anforderungen und hoher Zeitdruck belasten die Erzieherinnen und Erzieher erheblich.
Eine Leipziger Rettungssanitäterin schilderte die Situation so:
„Wir leisten täglich lebenswichtige Arbeit, aber unsere Entlohnung hinkt weit hinterher. Viele Kolleginnen und Kollegen fühlen sich ausgebrannt – das darf so nicht weitergehen.“
Reaktionen und Positionen
Verdi wirft dem DRK vor, die Situation der Beschäftigten zu lange ignoriert zu haben. „Wer Leben rettet oder Kinder betreut, verdient faire Arbeitsbedingungen und ein Einkommen, das dieser Verantwortung gerecht wird“, erklärte Verdi-Landesfachbereichsleiterin Katrin Kaufmann.
Das DRK zeigte sich bislang zurückhaltend, betonte aber seine Gesprächsbereitschaft. Man wolle die Tarifverhandlungen in einem „respektvollen Dialog“ fortsetzen, um zu einer tragfähigen Lösung zu kommen.
Auswirkungen des Streiks
Während der Streikmaßnahmen ist die Notfallversorgung in Leipzig weiterhin sichergestellt, betonte Verdi. Dennoch kommt es im Rettungsdienst zu Verzögerungen bei nicht dringenden Krankentransporten. Auch in mehreren DRK-Kitas mussten Gruppen geschlossen oder Betreuungszeiten verkürzt werden. Eltern wurden gebeten, sich frühzeitig über Alternativen zu informieren.
Forderung nach mehr Wertschätzung
Der Streik in Leipzig steht stellvertretend für eine bundesweite Diskussion über die Wertschätzung sozialer Berufe. Viele Beschäftigte im Rettungswesen und in der Kinderbetreuung sehen sich seit Jahren unterbezahlt und überlastet.
Verdi kündigte an, den Druck auf die Arbeitgeberseite aufrechtzuerhalten, sollte sich in den kommenden Tagen keine Annäherung ergeben. Weitere Warnstreiks in anderen Regionen seien möglich.
Der Arbeitskampf beim DRK in Leipzig zeigt deutlich: Die Beschäftigten wollen nicht länger nur Beifall – sie fordern Anerkennung, faire Entlohnung und bessere Bedingungen in einem Berufsfeld, das für die Gesellschaft unverzichtbar ist.
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