Kaum beginnen Israel und die USA ihren Angriff auf den Iran, meldet sich ein alter Bekannter zurück: der Energiemarkt. Und der reagiert wie immer völlig gelassen – mit einem Gaspreissprung von 25 Prozent über das Wochenende. Der stärkste Anstieg seit August 2023. Zufall natürlich.
Auch Öl legt gleich einmal zehn Prozent drauf. Gasoil – also die Grundlage für Diesel und Heizöl – steigt um bis zu 20 Prozent. Aber bitte keine Panik: Das ist alles nur Großhandel. Beim Endverbraucher dauert es „üblicherweise eine Weile“. Man könnte es auch nennen: Die Rechnung kommt später. Willkommen in der Ära der Trumplation.
Straße von Hormus – das Nadelöhr der Weltwirtschaft
Ein Fünftel des globalen Öltransports läuft durch die Straße von Hormus. Ein bisschen Geopolitik, ein paar Raketen, 150 Tanker vor Anker – und schon erinnern sich die Märkte wieder daran, dass Energie nicht aus der Steckdose wächst.
Sollte die Route länger blockiert bleiben, könnten die Gaspreise laut Analysen von 40 auf 90 Euro pro Megawattstunde steigen. Wenn zusätzlich Förderanlagen getroffen werden, sehen Experten beim Rohölpreis sogar 150 Dollar pro Barrel für möglich. Aber hey – wir haben ja Erfahrung mit „vorübergehenden“ Preisschocks.
Goldman Sachs warnt sogar vor einer möglichen Verdoppelung des europäischen Gaspreises bei einer einmonatigen Sperre. Eine Verdoppelung. In Europa. Im Sommer. Was soll da schon schiefgehen?
„Kein Anlass zur Sorge“
Österreich bleibt laut Wirtschafts- und Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer ruhig. Weder der Iran noch die Straße von Hormus seien „für unsere unmittelbare Versorgungssicherheit entscheidend“.
Das klingt beruhigend. Entscheidend ist also nur, was unmittelbar ist. Mittelbar dürfen die Preise offenbar machen, was sie wollen.
Auch die OMV versichert: Versorgung gesichert. Alternative Bezugsquellen vorbereitet. Alles unter Kontrolle. Das kennt man schon – klang 2022 irgendwie ähnlich.
Inflation mit Kriegsaufschlag
Das Institut für Höhere Studien rechnet mit steigenden Spritpreisen. Die Inflation könnte um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte steigen. Klingt harmlos, bis man bedenkt, dass sich solche „kleinen Effekte“ erstaunlich hartnäckig summieren.
Die Erfahrung zeigt: Energie verteuert alles. Transport, Produktion, Lebensmittel. Wenn Gas und Öl hüpfen, hüpft der Rest mit.
Märkte lieben Unsicherheit
Beobachter vergleichen die aktuelle Situation bereits mit den Preissprüngen nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 – zumindest, falls der Konflikt eskaliert.
Aber keine Sorge: Der Konflikt ist sicher klar begrenzt. Und Konflikte im Nahen Osten haben ja traditionell die Eigenschaft, sich schnell, geräuschlos und ohne Nebenwirkungen zu erledigen.
Fazit: Trumplation ist das neue Normal
Was wir gerade sehen, ist die klassische Gleichung moderner Weltpolitik:
Militärschlag + geopolitisches Nadelöhr = Energiepreis-Explosion.
Und am Ende zahlen nicht die Generäle, nicht die Investmentbanken und nicht die Analysten, sondern Haushalte und Unternehmen.
Noch sind die Preisschilder an den Tankstellen nicht angepasst. Noch sprechen alle von „Beobachtung der Lage“. Noch ist alles „unter Kontrolle“.
Aber die Märkte haben bereits abgestimmt.
Und sie haben beschlossen:
Krieg kostet.
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