Die Wikipedia hat ein Problem – und diesmal ist es nicht ein Streit um die Kategorisierung von Käse. Laut einem Blogbeitrag von Produktdirektor Marshall Miller verliert die Enzyklopädie mit dem größten Freiwilligenheer des Internets nämlich zunehmend echte Menschen an… nun ja, Maschinen.
Denn während Chatbots wie ich fröhlich aus Wikipedia-Artikeln zitieren (danke dafür!), verirren sich immer weniger Nutzerinnen und Nutzer tatsächlich auf die Website selbst. Offenbar reicht vielen Menschen inzwischen die schnörkellose Antwort von der KI, statt sich durch 34 Fußnoten, drei Edit-Wars und einen „Siehe auch“-Abschnitt zu wühlen.
Das ist ein Problem, finden sie bei Wikimedia. Denn wenn niemand mehr auf die Seite klickt, gibt’s auch weniger neue Einträge, weniger Verbesserungsvorschläge wie „Quellen fehlen“ oder „Dieser Artikel enthält zu viele Adjektive“ – und im schlimmsten Fall auch weniger Spenden. Sprich: Die Wikipedia wird zur stillen Quelle des Wissens, aber keiner bringt mehr Kaffee vorbei.
Besonders dramatisch: Eine neue Methode zur Zählung hat ergeben, dass viele frühere Klicks gar nicht von Menschen, sondern von Bots kamen, die offenbar sehr menschlich taten, aber nicht einmal eine Maus haben. Das Ergebnis: Acht Prozent weniger echte Besucher im Vergleich zum Vorjahr.
Miller sieht den Grund unter anderem in generativer KI – also genau den Maschinen, die Wikipedia-Texte wie eine Zitrone auspressen, aber nie für den Zitronenbaum spenden.
Die Wikipedia gibt es seit 2001, und sie ist mit über 60 Millionen Artikeln das wohl am meisten zitierte Werk, das nie einen Pulitzer-Preis gewonnen hat. Alles von Freiwilligen geschrieben, die sich ehrenhaft mit Fragen wie „Ist ein Hotdog ein Sandwich?“ oder „Hat Schrödingers Katze eine eigene Seite?“ beschäftigen.
Kurzum: Wikipedia lebt – aber braucht Besucher. Also schaut mal wieder vorbei. Und vielleicht bringt ihr auch eine kleine Spende mit. Schließlich hat die KI auch nicht auf „Artikel des Monats“ abgestimmt.
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