Startseite Allgemeines Wie man gefährliche Drohnen erkennt und ausschaltet – Europas Kampf gegen die fliegende Bedrohung
Allgemeines

Wie man gefährliche Drohnen erkennt und ausschaltet – Europas Kampf gegen die fliegende Bedrohung

FREEtoUSEbyPPRINCESS (CC0), Pixabay
Teilen

In der dänischen Stadt Aalborg entwickelt das Unternehmen MyDefence Systeme, die Drohnen aufspüren und mit Funkwellen außer Gefecht setzen. „Das Interesse ist zuletzt explodiert“, sagt Geschäftsführer Dan Hermansen. Während seine Geräte früher fast ausschließlich an Militärs in Nato-Staaten und der Ukraine geliefert wurden, kommen nun zunehmend zivile Kunden hinzu – etwa Betreiber von kritischer Infrastruktur und Industrieanlagen, die ihre Gelände vor unbefugten Überflügen schützen wollen.

Das System erkennt die Funksignale zwischen Drohne und Pilot und unterbricht die Verbindung durch starke Radiosignale. Anstatt abzustürzen, wird die Drohne kontrolliert zur Landung gezwungen. Auch die GPS-Steuerung kann blockiert werden. Laut Hermansen lässt sich so 80 bis 90 Prozent aller handelsüblichen Drohnen stoppen.

Der Einsatz solcher Störsender ist streng reguliert – in der Regel dürfen sie nur Polizei oder Militär verwenden.


Die große Herausforderung: Drohnen überhaupt erkennen

„Der erste Schritt ist die Identifizierung, der zweite ihre Neutralisierung“, erklärt Kasper Hallenborg von der Universität Süddänemark. Doch das Erkennen sei schwierig, ergänzt Andreas Graae von der Dänischen Verteidigungsakademie:

„Drohnen sind oft klein, leicht und aus Plastik oder Stoff – Materialien, die Radar schwer erfassen kann.“

Forscher arbeiten daher an einer Kombination verschiedener Erkennungstechnologien:

  • Akustiksensoren, die das typische Surren von Rotoren wahrnehmen,

  • Hochauflösende Kameras,

  • Taktische Spezialradare, die zwischen Vögeln und Drohnen unterscheiden können.


Lehren aus der Ukraine: Der Krieg als Technologie-Treiber

Die Frontlinien in der Ukraine sind laut Graae „komplett verstopft mit Störsignalen“. Dadurch verlieren Drohnen häufig die Kontrolle – woraufhin Russland und die Ukraine auf autonome Systeme oder kabelgebundene Steuerungen umgestiegen sind. Solche Geräte müssen dann physisch abgeschossen oder abgefangen werden.

Das schwedische Start-up Nordic Air Defence entwickelt derzeit eine billige Abfangdrohne, die wie eine Rakete funktioniert und ihr Ziel direkt trifft. „Sie ist 3D-gedruckt und extrem günstig herzustellen“, sagt Firmenchef Jens Holzapfel.


Die Kostenfrage: 1000-Dollar-Drohne vs. Millionendollar-Rakete

NATO-Generalsekretär Mark Rutte brachte das Dilemma kürzlich auf den Punkt:

„Es ist inakzeptabel, eine Drohne für 2.000 Dollar mit einer Rakete für eine halbe Million abzuschießen.“

Der Ukraine-Krieg hat gezeigt, dass Kostenasymmetrien zu einem Wettrüsten führen: Je billiger die Angriffe, desto teurer die Abwehr. Das zwingt Verteidiger, preiswerte Gegenmaßnahmen zu entwickeln.


Europa reagiert: Milliarden für Anti-Drohnen-Systeme

Mehrere Länder, darunter Polen, Rumänien, Norwegen, Schweden und Deutschland, melden vermehrt Luftraumverletzungen durch Drohnen – teils mit russischem Ursprung. Dänemark hat bereits Spezialeinheiten zur Drohnenerkennung und -abwehr im Einsatz, während Schweden über 365 Millionen Dollar in Abwehrsysteme investieren will, darunter Störsender, Abschussdrohnen und Abfangmechanismen.

Nordic Air Defence arbeitet inzwischen eng mit Schweden und anderen europäischen Partnern zusammen. Neben militärischen Kunden interessieren sich auch Polizei, Sicherheitsdienste und die Energiebranche.


Sicherheit vor Zivilrisiken

Im zivilen Umfeld ist das Abschießen von Drohnen jedoch gefährlich: herabfallende Wrackteile oder brennender Treibstoff können Menschen verletzen oder Gebäude beschädigen.

„Man braucht eine möglichst frühe Erkennung, um die Drohne an einem sicheren Ort abzufangen“, sagt Hallenborg.

Alternativen sind Netzsysteme, Laserwaffen oder sogenannte Soft-Kill-Methoden, bei denen die Drohne gehackt und kontrolliert gelandet wird.


Die Zukunft: Elektronische Kennzeichen und Flugregister

Langfristig fordern Experten ein europaweites Drohnen-Verkehrsmanagementsystem mit digitalen Nummernschildern und Pflichtregistrierungen. So ließe sich schnell unterscheiden, welche Drohnen legal unterwegs sind – und welche nicht.

Bis dahin gilt:
Frühwarnung, schnelle Reaktion und clevere Technik sind der Schlüssel, um den Himmel sicher zu halten – in Dänemark, in Deutschland und weit darüber hinaus.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Trump ordnet Bundeseinsatz nach massiver Abwasser-Panne im Potomac an

Nach einer der größten Abwasserhavarien in der US-Geschichte greift Präsident Donald Trump...

Allgemeines

Paradies verloren, Paradies gefunden – Die EU und ihre halbjährliche Suche nach Steueroasen

Es ist wieder soweit: Brüssel hat seine halbjährliche Ausgabe der „Liste der...

Allgemeines

Nachruf auf Billy Steinberg: Der Mann hinter „Like a Virgin“ ist tot

Der US-amerikanische Songwriter Billy Steinberg, einer der prägenden Hitlieferanten der 1980er- und...

Allgemeines

Insolvenz:Omegabau e.G.

650 IN 26/26 n dem Verfahren über den Antrag d. Omegabau e.G.,...