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Widerstand gegen Vucic: Serbiens Studierende geben nicht auf

jorono (CC0), Pixabay
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Seit über sieben Monaten protestieren serbische Studierende mit Demonstrationen, Fußmärschen und Fahrradtouren gegen Präsident Aleksandar Vucic – nun rufen sie für den symbolträchtigen Vidovdan (29. Juni) erneut zu einer Großdemo in Belgrad auf. Ihr Ziel: vorgezogene Neuwahlen und ein demokratischer Neuanfang.

Ultimatum an die Regierung

Im Zentrum der Forderungen stehen inzwischen Neuwahlen. Die Studierenden fordern Vucic auf, das Parlament bis Samstagabend aufzulösen – andernfalls kündigen sie zivilen Ungehorsam an. Eine Übergangsregierung soll für 18 Monate faire Wahlbedingungen schaffen.

„Wir wollen keine Partei gründen, sondern eine überparteiliche Liste mit Kandidaten außerhalb des politischen Establishments aufstellen“, erklärt Luka Opruc (20), Student aus Novi Sad.

Vertrauen in Parteien erschüttert

„Die etablierten Parteien können nicht mehr mobilisieren“, sagt Politologe Slobodan Markovich. Laut Umfragen liegt Vucics SNS-Partei bei 33,5 Prozent, eine Allianz aus Studierenden und Opposition käme auf über 43 Prozent.

Bereits bei Kommunalwahlen im Juni verlor die SNS in ihren einstigen Hochburgen an Zustimmung – trotz massiven Einsatzes der Regierung.

Protest aus der Basis

Ausgelöst wurden die Proteste durch ein tragisches Unglück: Beim Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad starben im November 2023 sechzehn Menschen. Die Studierenden sehen darin ein Symbol staatlicher Korruption.

Seitdem blockierten sie Universitäten, organisierten Protestmärsche durch ganz Serbien bis nach Brüssel und Straßburg – stets basisdemokratisch. „Wir haben in der Uni gegessen und geschlafen“, berichtet Ivona Markovic (20) von der Uni Belgrad.

Repressionen und Propaganda

Die Regierung reagiert mit Repression. Zahlreiche Protestierende wurden festgenommen, darunter auch Professoren – sie erhalten inzwischen nur noch 12 % ihres Gehalts. Gleichzeitig etablierte die Regierung ein provisorisches „Gegen-Camp“ regierungsnaher Demonstrierender in Belgrad – laut Opruc eine reine PR-Inszenierung.

Auch im Kulturbereich wächst der Druck: Das Exit-Festival in Novi Sad verlor staatliche Unterstützung und Sponsoren und kündigte seinen Rückzug aus Serbien an.

EU hält sich zurück

Von der EU fühlen sich die Studierenden im Stich gelassen. „Wir brauchen Solidarität, nicht Schweigen“, sagen Markovic und Opruc. Stattdessen setzen sie auf nationale Symbole, um der Regierung den Alleinvertretungsanspruch für die serbische Identität streitig zu machen.

Trotz allem: der Glaube an Wandel

„Unser Ziel ist eine gewaltfreie Veränderung“, betont Markovic. Die Bewegung setzt nun alles auf demokratische Mobilisierung: „Wenn es Wahlen gibt, werden wir gewinnen“, ist sich Opruc sicher.

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