WhatsApp steht unter massivem Druck. Der frühere Sicherheitschef Attaullah Baig hat den Messenger-Dienst und dessen Mutterkonzern Meta verklagt – mit brisanten Vorwürfen. Nach seinen Aussagen hat WhatsApp Nutzersicherheit über Jahre vernachlässigt, Warnungen ignoriert und Hackern sowie internen Datenzugriffen Tür und Tor geöffnet.
Der Start als Traumjob – und die Ernüchterung
Baig trat 2021 die Stelle als Head of Security an. „Ein Traumjob“, wie er später sagte. Doch die Euphorie hielt nicht lange. Schon in der ersten Woche fiel ihm auf: Von 1.200 Entwicklern arbeiteten gerade einmal sechs an der Sicherheit. Für eine Plattform mit Milliarden Nutzern sei das völlig unzureichend – Baig hielt mindestens 200 Sicherheitsspezialisten für notwendig.
Ignorierte Warnungen und Entlassung
Während seiner knapp vierjährigen Tätigkeit habe er immer wieder auf gravierende Sicherheitslücken hingewiesen – teils mit Verweis auf mögliche Gesetzesverstöße. Doch nach seiner Darstellung stieß er bei Meta auf taube Ohren. Stattdessen sei das Wachstum der Nutzerzahlen über alles gestellt worden.
Im Februar 2025 wurde Baig entlassen. Begründung: „schwache Leistung“. Er selbst vermutet, dass seine Kündigung eine Vergeltung für seine Beschwerden und eine zuvor eingereichte Beschwerde an US-Behörden Ende 2024 war.
Die Vorwürfe im Detail
Baigs Anschuldigungen sind konkret:
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Interner Datenzugriff: Rund 1.500 Meta-Mitarbeiter hätten Zugriff auf sensible WhatsApp-Daten gehabt – darunter Standortdaten und Metadaten darüber, wer mit wem schreibt. Inhalte von Chats seien zwar nicht betroffen gewesen, dennoch handle es sich um vertrauliche Informationen.
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Massenhacking: Jeden Tag würden laut Baig Hunderttausende WhatsApp-Konten gehackt. Meta habe diese Angriffe weitgehend ignoriert. Für Betroffene sei es extrem schwer, ihre Accounts zurückzubekommen. Gleichzeitig nutzten Kriminelle die gehackten Profile, um Freunde und Kontakte mit Betrugsmaschen hereinzulegen.
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Blockierte Maßnahmen: Versuche seines Teams, neue Sicherheitsmaßnahmen einzuführen, seien regelmäßig gestoppt worden.
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Schwache Standards: Auch beim Speichern und Überwachen von Nutzerdaten sowie beim Erkennen von Sicherheitslücken habe Meta erhebliche Defizite gehabt.
Baigs Fazit ist vernichtend: WhatsApp sei ein „Paradies für Betrüger“.
Metas Verteidigung
Meta weist die Anschuldigungen scharf zurück. In einer Stellungnahme bezeichnete ein Sprecher Baigs Aussagen als „Rachefeldzug eines unzufriedenen Ex-Mitarbeiters“, der wegen schlechter Leistungen gekündigt worden sei. Seine Behauptungen würden die Arbeit des Sicherheitsteams verzerren.
Politischer Druck wächst
Die Vorwürfe schlagen in den USA bereits hohe Wellen. Drei republikanische Abgeordnete haben Meta-Chef Mark Zuckerberg aufgefordert, sich zu den Anschuldigungen öffentlich zu äußern. Auch Aufsichtsbehörden dürften den Fall genau beobachten – insbesondere mit Blick auf Datenschutz und Verbraucherschutz.
Signalwirkung für Milliarden Nutzer
Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, könnte das für Meta nicht nur hohe Strafzahlungen bedeuten, sondern auch einen massiven Vertrauensverlust bei den weltweit über zwei Milliarden WhatsApp-Usern. Denn der Messenger gilt bislang als relativ sicher – ein Ruf, den Baigs Aussagen nun schwer beschädigen.
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