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Wettlauf gegen die Zeit: Wie Rettungskräfte zu den verschütteten Skifahrern vordrangen

beasternchen (CC0), Pixabay
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Als die Behörden in Truckee im US-Bundesstaat Kalifornien am Dienstag gegen 11:30 Uhr Ortszeit von einer schweren Lawine im beliebten Skitourengebiet Castle Peak erfuhren, begann ein dramatischer Rettungseinsatz unter extremen Bedingungen.

Notruf aus dem Gebirge

Die ersten Alarme gingen über ein iPhone mit Satelliten-Textfunktion ein. Zusätzlich wurde ein Notruf über einen Lawinen-Notfallsender (Beacon) eines weiteren Skifahrers ausgelöst. Die 15-köpfige Gruppe – bestehend aus elf Freizeitskifahrern und vier professionellen Bergführern – befand sich auf dem letzten Tag einer dreitägigen Tour zu den Frog Lake Huts, als die Lawine niederging.

Das Unglück ereignete sich mitten während eines massiven Wintersturms. Die nahegelegene Interstate 80 war wegen Schneemassen gesperrt, was den Zugang für Rettungskräfte erheblich erschwerte.

Improvisation unter Extrembedingungen

Die Verschütteten befanden sich zwar nur wenige Kilometer von der gesperrten Autobahn entfernt, doch die Schneemassen machten ein direktes Vordringen unmöglich. Die Retter mussten improvisieren.

Das nahegelegene Skigebiet Boreal Mountain Resort – selbst wetterbedingt geschlossen – stellte Rettungsteams bereit. Auch das Alder Creek Adventure Center in Tahoe Donner entsandte Helfer. Zum Einsatz kam unter anderem eine sogenannte „Snowcat“ – ein kettengetriebenes Spezialfahrzeug, das normalerweise Pisten präpariert, hier jedoch als Transportmittel im Tiefschnee diente.

Bis zum Nachmittag waren rund 50 Einsatzkräfte aus verschiedenen Richtungen auf dem Weg zum Unglücksort. Gegen 17:30 Uhr erreichten sie einen Punkt etwa drei Kilometer von der vermuteten Position der Überlebenden entfernt. Von dort aus mussten sie auf Skiern weiter – ausgerüstet mit Steigfellen, die an den Skiern befestigt werden, um auch steile Anstiege im Tiefschnee bewältigen zu können.

Das Lawinenfeld hatte laut Behörden in etwa die Größe eines Fußballfeldes.

Jede Minute zählt

Bei Lawinenrettungen entscheidet oft die erste Stunde über Leben und Tod. Wer vollständig verschüttet wird, stirbt meist innerhalb von 60 Minuten an Sauerstoffmangel. Studien zeigen jedoch, dass etwa die Hälfte der Lawinentoten in Nordamerika durch massive Verletzungen infolge der Wucht der Schneemassen ums Leben kommt – nicht durch Ersticken.

Schließlich fanden die Retter sechs Personen lebend – sie hatten sich in notdürftigen Zelten vor dem Sturm geschützt. Zwei von ihnen waren so schwer verletzt, dass sie nicht selbstständig gehen konnten und getragen werden mussten. Beide wurden mit nicht lebensbedrohlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.

Neun Menschen – sieben Frauen und zwei Männer – kamen bei dem Unglück ums Leben. Eine Person galt zunächst als vermisst und wurde später ebenfalls für tot erklärt.

Besonders tragisch: Unter den Opfern befand sich der Ehepartner eines Rettungskräfte-Mitglieds. Dennoch setzte das Team die Bergungsarbeiten fort. „Das hat uns in unserem Auftrag nur noch bestärkt“, sagte Sheriff Wayne Woo.

Gefährliche Bedingungen halten an

Am Mittwoch erklärten die Behörden, dass eine sofortige Bergung der Leichen zu gefährlich sei. Die Lawinengefahr bleibt aufgrund einer instabilen Schneedecke und weiterer Schneefälle hoch. Der Sierra Avalanche Center hatte bereits zuvor vor natürlichen Lawinen gewarnt, die sich in höheren Lagen lösen und weit ins Tal reichen könnten.

Sicherheitsausrüstung – und ihre Grenzen

Alle Mitglieder der Gruppe trugen Lawinen-Beacons – ein zentrales Rettungsinstrument. Normalerweise senden diese Geräte ein Signal, das von anderen Empfängern geortet werden kann. Überlebende schalten ihre Geräte nach einer Lawine in den Suchmodus, um Verschüttete schneller zu finden.

Zusätzlich führen Skitourengeher in der Regel Schaufel und Lawinensonde mit. Moderne Lawinenrucksäcke mit Airbags, die ein tieferes Verschüttetwerden verhindern sollen, gewinnen zwar an Beliebtheit – ob jemand aus der Gruppe damit ausgerüstet war, ist jedoch unklar.

Experten raten Verschütteten, möglichst einen Hohlraum vor dem Gesicht zu schaffen, ruhig zu bleiben, eine Hand sichtbar aus dem Schnee zu strecken und die Skier abzustreifen, um nicht weiter nach unten gezogen zu werden.

Ein Einsatz, der in Erinnerung bleibt

Das Unglück von Castle Peak zeigt erneut, wie gefährlich Skitouren im freien Gelände trotz moderner Technik bleiben. Gleichzeitig macht es deutlich, unter welchem Zeitdruck und Risiko Rettungskräfte arbeiten – insbesondere bei extremen Wetterbedingungen.

Während die Bergung fortgesetzt wird, bleibt die Region in Alarmbereitschaft. Und für die Angehörigen beginnt eine Zeit der Trauer.

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