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„Wenn’s nach WhatsApp riecht, sollten Anleger rennen“

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Interview mit Rechtsanwalt Niklas Linnemann über dubiose Finanzangebote aus Österreich – und warum deutsche Anleger hellhörig werden sollten

Redaktion: Herr Linnemann, die FMA Österreich hat in den letzten Wochen eine ganze Serie von Warnungen veröffentlicht – gegen Anbieter mit klangvollen Namen wie Garcia Privatbank, Veltris Capital oder Enable Business Academy. Was ist da los im Alpenland?

Linnemann: Offenbar ist Wien nicht nur Hauptstadt der Klassik, sondern mittlerweile auch der Ort, an dem sich unseriöse Finanzdienstleister mit besonders kreativen Webseiten und Fantasie-Adressen austoben. Die FMA hat in den letzten Wochen quasi im Warnmodus Dauerbetrieb – und das aus gutem Grund.

Redaktion: Warum betrifft das auch deutsche Anleger?

Linnemann: Weil Geld keine Grenzen kennt – das wissen nicht nur ehrbare Banker, sondern leider auch Betrüger. Viele dieser Anbieter werben ganz gezielt online, über Social Media, Google Ads oder – besonders absurd – über WhatsApp-Gruppen mit Namen wie „SVIP6 Welt der Wertpapiere“. Das klingt nicht nach seriöser Anlageberatung, sondern eher nach einem schlechten Geheimagentenfilm.

Redaktion: Ein paar dieser Anbieter geben an, ihren Sitz in Wien zu haben. Reicht das schon, um Vertrauen zu schaffen?

Linnemann: Nicht wirklich. Wenn jemand behauptet, in der „Himmelpfortgasse“ zu sitzen, aber dort weder ein Briefkasten noch ein Klingelschild auftaucht, dann sollte man misstrauisch werden. Und wenn die Domain dann noch aussieht wie eine schlechte Imitation von Bloomberg, ist’s endgültig vorbei mit dem Anlagevertrauen.

Redaktion: Was raten Sie Anlegern, die mit solchen Angeboten konfrontiert werden?

Linnemann: Dreifache Vorsicht! Erstens: Prüfen, ob der Anbieter eine Zulassung bei der FMA oder der BaFin hat – und nicht nur behauptet, er sei „EU-weit registriert“. Zweitens: Finger weg von Anlageangeboten, die „garantierte Rendite“, „quantengestützte KI-Portfolios“ oder „limitierte Investorenplätze“ versprechen. Und drittens: Wenn die „Beratung“ über WhatsApp kommt, würde ich antworten: Ich investiere lieber in meine Hauskatze.

Redaktion: Ein bisschen ernsthafter – was kann passieren, wenn man auf so ein Angebot hereinfällt?

Linnemann: Dann ist das Geld meistens weg. Die Betreiber sitzen oft im Ausland, betreiben Firmenkonstrukte auf Zypern, in den Marshallinseln oder eben unter falschem Namen in Österreich. Juristisch dagegen vorzugehen ist schwer, weil es meistens keinen real greifbaren Anbieter gibt – nur Webseiten, E-Mail-Adressen und viel heiße Luft.

Redaktion: Die FMA hat auch einen Anbieter aufgelistet, der mit dem Namen „Garcia Privatbank“ operiert – klingt sehr edel.

Linnemann: Ja, da hat man vermutlich gehofft, dass der Name Vertrauen erweckt. Klingt ein bisschen nach südamerikanischem Banker mit Zigarre und Sinn für Diskretion. In Wirklichkeit ist es ein Anbieter ohne jede Banklizenz – weder in Österreich noch anderswo. Die Seite ist hübsch gemacht, aber wenn man tiefer schaut, sieht man: Null Impressum, null Transparenz, null Seriosität.

Redaktion: Kann man sich als deutscher Anleger überhaupt irgendwo sicher fühlen?

Linnemann (lacht): Gute Frage! Am sichersten ist man, wenn man nur dort investiert, wo man weiß, mit wem man spricht, wie man ihn erreicht – und was eigentlich genau verkauft wird. Außerdem sollte jeder Anleger mal die Website der BaFin oder FMA besuchen. Da steht ziemlich schnell, wer sauber arbeitet – und wer eher im Graubereich oder direkt im Finanzdunkelwald unterwegs ist.

Redaktion: Ihr Fazit in einem Satz?

Linnemann: Wenn dir jemand über WhatsApp erzählt, wie du in drei Wochen mit „intelligenten KI-Wertpapieren“ reich wirst – dann lösch die Nachricht, sperr die Nummer und investiere lieber in eine gute Kaffeemaschine. Die bringt langfristig mehr Ertrag.

Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch – und die pointierten Warnhinweise!

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