Man muss es dem modernen Krieg lassen: Er ist technologisch beeindruckend. Satelliten, Drohnen, künstliche Intelligenz, hochpräzise Raketen – und manchmal offenbar auch alte Excel-Tabellen mit veralteten Geheimdienstkarten.
Nach Informationen der The New York Times könnte genau das zu einer Tragödie geführt haben. Eine vorläufige Untersuchung des US-Militärs soll ergeben haben, dass beim Angriff auf einen iranischen Marinestützpunkt am 28. Februar eine Schule in der Stadt Minab getroffen wurde.
Die Ursache: veraltete Zielinformationen des Geheimdienstes.
Das Ziel der eingesetzten Tomahawk Cruise Missile soll ein Stützpunkt der Islamic Revolutionary Guard Corps gewesen sein. Nur dumm – oder tragisch – dass sich nebenan eine Volksschule befand. Oder genauer gesagt: eine Schule, die früher einmal Teil dieser Militäranlage gewesen sein soll.
Der Unterschied zwischen „ehemals militärisch“ und „heute voller Kinder“ kann im Krieg offenbar manchmal ein paar Jahre alt sein.
Mehr als 150 Tote befürchtet
Berichten zufolge könnten über 150 Menschen ums Leben gekommen sein.
Eine Zahl, die selbst in den routinierten Statistiken moderner Kriegsführung unangenehm heraussticht.
Der Angriff geschah ausgerechnet am ersten Tag des Krieges der United States und Israel gegen den Iran.
Ein denkbar schlechter Auftakt für eine militärische Operation, die eigentlich mit „präzisen Schlägen“ beworben wurde.
Präsident: Wir warten den Bericht ab
US-Präsident Donald Trump hatte zunächst den Iran selbst für den Angriff verantwortlich gemacht.
Als erste Zweifel aufkamen, verwies er auf die laufende Untersuchung. Sein Kommentar dazu:
„Was immer bei dem Bericht herauskommt, ich bin bereit, damit zu leben.“
Eine bemerkenswert nüchterne Formulierung – vor allem für diejenigen, die mit dem Ergebnis dieses Angriffs nicht mehr leben können.
Forderung nach Aufklärung
Abgeordnete der Democratic Party (United States) forderten inzwischen eine vollständige und unabhängige Untersuchung.
Sollte sich bestätigen, dass der Angriff tatsächlich von US-Streitkräften verursacht wurde, wäre dies nach Einschätzung einiger Politiker einer der schwersten Fälle ziviler Opfer in Jahrzehnten amerikanischer Militäreinsätze im Nahen Osten.
Die alte Frage des Krieges
Natürlich passiert im Krieg vieles, was niemand wollte.
Fehler. Falsche Informationen. Falsche Koordinaten.
Und doch bleibt am Ende eine unbequeme Frage:
Ist im Krieg wirklich alles erlaubt – solange man später eine Untersuchung ankündigt?
Oder muss am Ende doch jemand Verantwortung übernehmen, wenn eine Rakete statt eines Militärstützpunkts eine Schule trifft?
Eine Frage, die wahrscheinlich schwieriger zu beantworten ist als das Programmieren einer Tomahawk-Rakete.
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