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„Wenn du den Mund hältst, ist das Land verloren“: Scott Pelley entdeckt Mut – und CBS sucht ihn noch

geralt (CC0), Pixabay
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Ein Land im Ausnahmezustand. Nicht etwa wegen einer Naturkatastrophe oder Aliens, sondern weil ein Journalist auf einer Bühne das Wort „Freiheit“ in den Mund genommen hat. Scott Pelley, langjähriger CBS-Korrespondent und offenbar letzter aufrechter Nachrichtenmensch im US-Fernsehen, hat sich erdreistet, laut auszusprechen, was ohnehin jeder denkt – nur keiner sagen darf, der Karriere machen will: Dass es mit der Pressefreiheit in Trumpland 2.0 nicht allzu rosig aussieht.

In einem Interview mit Anderson Cooper (CNN, wo man sich Empörung noch leisten kann), erklärte Pelley furchtlos: „Wenn du den Mut hast zu sprechen, ist das unsere Rettung. Wenn du schweigst, ist das Land verloren.“ Ein Satz wie aus einem Hollywood-Film – schade nur, dass er im realen Medienzirkus eher für nervöses Räuspern sorgt als für Standing Ovations.

Denn während Pelley Mut predigt, verhandelt der CBS-Mutterkonzern Paramount angeblich im Hinterzimmer mit Trump über eine Art Schweigegeldlösung für eine Klage wegen „Wahlbeeinflussung“ durch ein 60 Minutes-Interview mit Kamala Harris. Man kennt das: Der Präsident fühlt sich beleidigt, klagt – und CBS denkt sich: Lieber ein fauler Deal als Ärger mit dem Mann, der einem die Sendeerlaubnis weg-executive-ordern könnte.

Pelley bleibt derweil standhaft. Edward R. Murrow, Ikone der journalistischen Rückgratpflege, hätte „nicht für einen Vergleich plädiert“, sagt er. Nein, der hätte gekämpft. Vielleicht sogar einen Satz getwittert. Oder eine dramatische Zigarettenpause eingelegt.

CBS: Wir senden noch, also ist alles gut, oder?

„Mein Beitrag wird noch gesendet, das ist das Wichtigste“, sagt Pelley. Natürlich, wer braucht schon einen öffentlich erklärten Rückhalt vom Konzern, wenn das Segment noch zwischen zwei Werbespots für Schlafmittel und Mittel gegen Durchfall ausgestrahlt wird?

60 Minutes produziert weiter kritische Beiträge – und das ganz ohne, dass Trump persönlich das Tonband zerschneidet. Wow! Pressefreiheit wie im Bilderbuch. Wenn auch eher im Kapitel: „Gerade noch so erlaubt.“

Wake Forest eskaliert

Seine Abschlussrede an der Wake Forest University wurde von konservativen Medien als „Anti-Trump-Wutrede“ gebrandmarkt – wohlgemerkt ohne, dass Trump namentlich erwähnt wurde. Man erkennt einen Volltreffer eben daran, wie laut der Getroffene schreit.

Pelley hatte gewarnt: „Zuerst bringt man die Wahrheitssuchenden zum Schweigen. Dann verklagt man sie. Wegen nichts.“ Hysterie folgte prompt. Offenbar darf man in Amerika inzwischen alles sagen – solange es niemanden stört, der gerade mächtig ist.

Freiheit, Mut, Drama – und ganz viel Konzernlogik

Am Ende bleibt Scott Pelley als tragische Figur eines Dramas zurück, das längst keine Fiktion mehr ist. Zwischen Broadway-Inszenierungen und echten Einschüchterungskampagnen, zwischen Mut auf der Bühne und Schweigen in Vorstandsetagen.

Aber hey, Good Night, and Good Luck, nicht wahr?

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