Die internationale Politik hat offenbar ein neues Hobby entdeckt: kollektives Kopfschütteln über eine UNO-Sonderberichterstatterin. Nachdem Frankreich und Deutschland bereits die Stirn in diplomatische Sorgenfalten gelegt hatten, ruft nun auch Tschechien nach der Abberufung von Francesca Albanese. Italienische Medien berichten pflichtbewusst über den nächsten Akt im Empörungs-Mehrteiler.
In Großbritannien wiederum haben sich 40 Abgeordnete gedacht: Wenn schon Brief schreiben, dann richtig. Sie fordern Innenministerin Yvette Cooper auf, ebenfalls Albaneses Rücktritt zu verlangen – internationale Solidarität im Modus „Bitte einmal laut missbilligen“.
Italiens Außenminister Antonio Tajani erklärte derweil, Albaneses „Erklärungen und Verhalten“ machten ihren Rücktritt „unumgänglich“. Was genau schlimmer wog – Erklärung oder Verhalten – bleibt Interpretationssache. Die Regierungspartei Fratelli d’Italia startete sicherheitshalber gleich eine Online-Petition. Zehntausend Unterschriften in zwölf Stunden! Ein Tempo, bei dem selbst Streamingdienste neidisch würden.
Doch wo Empörung ist, ist auch Gegenwind. Die Opposition in Italien – von der Allianz Verdi e Sinistra bis zu Teilen der Demokratischen Partei und der Fünf-Sterne-Bewegung – hält weiterhin zu Albanese. Offenbar gilt hier noch das altmodische Prinzip: erst zuhören, dann abberufen.
Auch Österreich wollte nicht fehlen. Außenministerin Beate Meinl-Reisinger schloss sich der Kritik via X-Post an – löschte diesen später aber wieder. Digitale Diplomatie nach dem Motto: posten, prüfen, löschen.
Auslöser des Wirbels sind israelkritische Aussagen Albaneses bei einer Konferenz in Doha. Seither wird weniger über Inhalte gesprochen als über Rücktrittsforderungen.
Fazit: In der internationalen Politik kann man vieles sein – aber eine umstrittene UNO-Berichterstatterin zu sein, scheint derzeit besonders abenteuerlich.
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