Die renommierte Washington National Opera (WNO) zieht sich erstmals seit über 50 Jahren vom traditionsreichen Veranstaltungsort zurück, der bis vor Kurzem noch als John F. Kennedy Center for the Performing Arts bekannt war. Grund dafür ist die umstrittene Umbenennung des Hauses in „Donald J. Trump and John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts“, kurz: Trump-Kennedy Center.
Das Opernhaus und das Center gaben bekannt, sich einvernehmlich und mit Blick auf finanzielle Stabilität voneinander zu trennen. Die WNO wird künftig als unabhängige Non-Profit-Organisation weiterarbeiten. Die Entscheidung wurde laut Angaben des Centers getroffen, um „eine wirtschaftlich tragfähige Zukunft“ für beide Institutionen zu sichern.
Kritik aus der Musikszene – Künstler sagen Auftritte ab
Seit der Umbenennung regt sich offener Protest in der Musik- und Kulturszene. Zahlreiche Künstler haben geplante Auftritte abgesagt oder ihre Zusammenarbeit beendet – darunter auch der bekannte Banjo-Spieler Béla Fleck, der ein Konzert mit dem National Symphony Orchestra kurzfristig absagte. Er erklärte, der Auftritt sei „politisch aufgeladen“ worden, obwohl es um Musik gehen sollte.
Auch Stephen Schwartz, Komponist von Musical-Hits wie Wicked, kündigte an, nicht mehr als Gastgeber für eine geplante Gala der Oper im Jahr 2026 zur Verfügung zu stehen. Seine Teilnahme hatte er ursprünglich bereits im Februar 2025 zugesagt.
Juristischer Streit mit Jazzmusiker wegen Absage
Besonders scharf reagierte das Trump-Kennedy Center auf die Absage des bekannten Jazz-Vibraphonisten Chuck Redd, der seine Teilnahme an einem Weihnachtskonzert am 24. Dezember zurückzog – explizit wegen der Namensänderung.
In einem Schreiben vom 26. Dezember forderte das Center unter Leitung von Richard Grenell, dem ehemaligen US-Botschafter und nun Center-Direktor, eine Million US-Dollar Schadensersatz und bezeichnete Redds Entscheidung als „politischen PR-Stunt“.
In einer öffentlichen Stellungnahme nannte das Center Künstler wie Redd „intolerant“ und „egoistisch“, nicht mutig oder prinzipientreu.
Gewerkschaft und Unterstützer stellen sich hinter Künstler
Die American Guild of Musical Artists, die Interessenvertretung der Künstlerinnen und Künstler, kündigte an, die Musikerinnen und Musiker der Oper in dieser Übergangszeit zu unterstützen – sowohl rechtlich als auch sozial.
Die Entwicklungen werfen neue Fragen über die Politisierung kultureller Institutionen in den USA auf – und über die Rolle von Künstlern im öffentlichen Diskurs.
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