Neue Vorwürfe im Zusammenhang mit dem verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein sorgen für Diskussionen in Norwegen. Ein mutmaßliches Opfer erhebt nun öffentlich schwere Anschuldigungen gegen Kronprinzessin Mette-Marit – und stellt eine persönliche, emotional aufgeladene Frage: „Was wäre, wenn das hier ihren Kindern passiert wäre?“
Die Kritik wurde in der norwegischen Sendung „Debatten“ geäußert. Marina Lacerda, die angibt, zu den Opfern Epsteins zu gehören, wirft der Kronprinzessin mangelnde Sensibilität im Umgang mit ihrer früheren Bekanntschaft zu Epstein vor.
Freundschaft trotz Verurteilung?
Hintergrund der Vorwürfe ist die Tatsache, dass Mette-Marit über Jahre hinweg privaten Kontakt zu Jeffrey Epstein gehabt haben soll – zu einem Zeitpunkt, als dieser bereits erstmals wegen Sexualstraftaten verurteilt worden war und eine Haftstrafe abgesessen hatte.
Epstein war 2008 in den USA wegen der Anbahnung von Prostitution mit Minderjährigen verurteilt worden. Trotz dieser bekannten Vorstrafe pflegte er weiterhin Kontakte in internationale gesellschaftliche Kreise. Seine Verbindungen reichten in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Hochadel.
Die norwegische Kronprinzessin hatte in der Vergangenheit eingeräumt, Epstein begegnet zu sein und Kontakt gehabt zu haben. Nach Bekanntwerden der vollen Tragweite seiner Verbrechen distanzierte sie sich öffentlich und erklärte, sie bedaure den Kontakt zutiefst.
Opferperspektive im Mittelpunkt
Für Marina Lacerda reicht diese Distanzierung offenbar nicht aus. In der Fernsehsendung machte sie deutlich, wie schmerzhaft es für Betroffene sei, wenn ein verurteilter Sexualstraftäter weiterhin gesellschaftlich akzeptiert oder hofiert werde.
„Was wäre, wenn es Ihre Kinder gewesen wären?“, fragte sie mit Blick auf die Mutter von drei Kindern.
Die Aussage zielt weniger auf eine juristische Verantwortung als auf eine moralische Dimension: Wie sollten Personen des öffentlichen Lebens mit bekannten Straftätern umgehen – insbesondere nach bereits erfolgten Verurteilungen?
Öffentliche Verantwortung von Royals
Mitglieder europäischer Königshäuser stehen traditionell unter besonderer Beobachtung. Kontakte zu problematischen Persönlichkeiten werfen Fragen nach Urteilsvermögen, Verantwortung und Transparenz auf.
In Norwegen wird seit Jahren diskutiert, wie eng oder lose die damaligen Kontakte tatsächlich waren und in welchem Umfang die Kronprinzessin über Epsteins Hintergrund informiert war.
Bislang gibt es keine Hinweise auf eine strafrechtliche Relevanz im Zusammenhang mit Mette-Marit. Die Kritik bezieht sich ausschließlich auf die moralische und gesellschaftliche Dimension der Beziehung.
Epstein-Netzwerk weiterhin unter Beobachtung
Auch Jahre nach seinem Tod beschäftigt das Netzwerk von Jeffrey Epstein weiterhin Ermittler, Medien und Öffentlichkeit. Immer wieder geraten prominente Namen ins Licht der Aufmerksamkeit – nicht wegen direkter Tatbeteiligung, sondern aufgrund von Kontakten oder Bekanntschaften.
Für viele Opfer bleibt die zentrale Frage: Wer wusste was – und wann?
Zwischen Distanzierung und Verantwortung
Die norwegische Monarchie hat sich zu den jüngsten Aussagen bislang nicht ausführlich geäußert. Frühere Stellungnahmen betonten, dass die Kronprinzessin keine Kenntnis von Epsteins kriminellen Aktivitäten gehabt habe.
Doch für Betroffene wie Marina Lacerda steht weniger die Frage nach Wissen als nach Sensibilität im Vordergrund.
Der Fall zeigt, wie lange die Schatten von Epsteins Verbrechen reichen – und wie stark sie noch immer öffentliche Institutionen und prominente Persönlichkeiten berühren.
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