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Was kann König Charles gegen die Skandale um Prinz Andrew tun?

qimono (CC0), Pixabay
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Der Ruf von Prinz Andrew hat erneut schweren Schaden genommen. Britische Medien veröffentlichten am Wochenende eine E-Mail, die nahelegt, dass Andrews Kontakt zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein deutlich länger andauerte, als der Prinz bisher behauptet hatte.

Die Nachricht mit dem Satz „Wir stehen gemeinsam da drin“ stellt die Glaubwürdigkeit von Andrews Aussagen aus dem legendären BBC-Interview von 2019 infrage – insbesondere seine Behauptung, er habe nach einem Treffen mit Epstein im Dezember 2010 in New York den Kontakt endgültig abgebrochen.


Ein weiteres Kapitel in einer endlosen Skandalreihe

Laut Berichten der Sun und der Mail on Sunday stammt die E-Mail aus Februar 2011. Bereits Anfang des Jahres waren weitere Nachrichten aus dieser Zeit aufgetaucht, die ebenfalls auf eine fortgesetzte Verbindung zwischen Andrew und Epstein hindeuteten.

Hinzu kommt, dass Andrews Ex-Frau Sarah Ferguson ebenfalls in eine E-Mail-Affäre im Zusammenhang mit Epstein verwickelt ist. Sie verlor kürzlich die Unterstützung von sieben Wohltätigkeitsorganisationen, die sich von ihr distanzierten.


Wie kann sich der König distanzieren?

Nach jedem neuen Skandal fordern Kritiker Konsequenzen – von symbolischen Maßnahmen bis hin zum Entzug von Titeln.
Doch welche Möglichkeiten hat König Charles III. tatsächlich?

1. Ausschluss aus dem öffentlichen Leben

Andrew wird voraussichtlich nicht zur traditionellen Weihnachtsfeier in Sandringham eingeladen werden. Bereits im vergangenen Jahr war er wegen eines mutmaßlichen chinesischen Spionageskandals ausgeladen worden.
Auch bei der Weihnachtsansprache des Königs wird der Duke of York auf keinen Fall zu sehen sein – etwaige Aufnahmen würden herausgeschnitten.

„Der einzige König, den Andrew an Weihnachten sehen wird, ist wohl Good King Wenceslas im Weihnachtslied“, schrieb ein Kommentator trocken.


2. Der Wohnsitz – ein juristisches Bollwerk

Immer wieder wird gefordert, Andrew aus dem Royal Lodge, seinem 30-Zimmer-Anwesen in Windsor, zu entfernen.
Doch sein Mietvertrag mit dem Crown Estate läuft bis 2078. Der Vertrag ist rechtlich bindend, und der Prinz hat viele der Kosten bereits zu Beginn übernommen.
Solange Andrew seine Rechnungen bezahlt, kann er nicht einfach hinausgeworfen werden.


3. Finanzielle Sanktionen

König Charles hat bereits versucht, über finanzielle Hebel Druck auszuüben. 2024 soll er Andrew sämtliche Zuwendungen gestrichen haben.

Doch der Prinz hat offenbar neue Einkommensquellen gefunden – darunter Geschäftsverbindungen nach China und in die Golfstaaten sowie ein inzwischen eingestelltes Projekt mit einem niederländischen Start-up.
Trotz hoher Kosten für Sicherheit und Unterhalt zeigt sich Andrew finanziell erstaunlich widerstandsfähig.


4. Entzug von Titeln – ein heikles Thema

Laut einer YouGov-Umfrage vom Sommer 2025 befürworten 67 % der Briten, dass Andrew seine verbliebenen Titel, darunter „Duke of York“, verliert.

Rechtlich wäre das möglich – allerdings nur mit Zustimmung des Parlaments.
Ein solches Verfahren gab es zuletzt während des Ersten Weltkriegs, als britische Aristokraten, die auf Seiten Deutschlands kämpften, ihre Titel verloren.

Auch Andrews Ritterorden des Hosenbandes (Order of the Garter) könnte ihm entzogen werden.
Zwar nimmt er nicht mehr an der öffentlichen Prozession teil, doch offiziell bleibt er Mitglied.
Das letzte Mal, dass jemand aus dem Orden ausgeschlossen wurde, war im 18. Jahrhundert – damals nannte man das Verfahren noch „Degradation“.


5. Symbolische Zurückstufung statt offener Strafe

Statt offener Entmachtung bevorzugt der Palast oft stille, institutionelle Lösungen.
So wurde Andrew 2022 als „Counsellor of State“ – einer der Vertreter des Königs im Krankheits- oder Abwesenheitsfall – faktisch entmachtet, indem neue Vertreter ernannt wurden, ohne ihn offiziell zu entfernen.


Ein Bruder im Schatten

Andrew hat bereits seinen Titel „His Royal Highness“ (HRH) und sämtliche militärischen Ehrenämter verloren.
Er ist kein aktiver Royal mehr und hat keinerlei offizielle Aufgaben.
Seine Auftritte beschränken sich auf private Familienanlässe, etwa Beerdigungen oder Gedenkgottesdienste.

Ein vollständiges „Exil“ des Bruders scheint jedoch kaum möglich – nicht zuletzt, weil der König als Oberhaupt der Kirche von England nicht den eigenen Bruder von kirchlichen Zeremonien ausschließen könnte.


Die Gefahr für die Monarchie

Im Palast wächst die Sorge, dass die endlosen Skandale um Andrew die eigentlichen Projekte des Königs – etwa Klimaschutz und gesellschaftliche Versöhnungüberschatten.

Zudem befürchten Gegner der Monarchie, dass es noch weitere Enthüllungen über Andrews Kontakte zu Epstein geben könnte.

„Das ist keine reine Familiensache“, sagt Graham Smith, Leiter der Monarchie-kritischen Organisation Republic.
„Es geht um Transparenz und Rechenschaft – auch für die Königsfamilie.“


Fazit:
König Charles hat Andrew bereits weitgehend aus dem öffentlichen Leben verbannt – rechtlich und finanziell kann er jedoch nur begrenzt eingreifen.
Was bleibt, ist königliche Kälte statt offener Strafe: kein Geld, keine Aufgaben, keine Auftritte.

Doch solange immer neue E-Mails und Enthüllungen auftauchen, wird die Frage bleiben:
Wie lange kann sich der König noch Distanz wahren, ohne dass der Skandal seines Bruders auf ihn selbst abfärbt?

 

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