Während der Planet brennt, der Rechtsruck durch Europa schwappt und Menschen kaum noch ihre Miete zahlen können, hat das EU-Parlament endlich das wahre Problem unserer Zeit ins Visier genommen: die ungeheuerliche Irreführung durch Dinge wie „Soja-Schnitzel“ oder „Veggie-Wurst“. Ja, richtig gelesen. Nicht Inflation. Nicht Klimakrise. Nicht Wohnungsnot. Sondern… Tofu mit Etikett.
Am Mittwoch stimmte in Straßburg eine Mehrheit der Abgeordneten für eine Gesetzesänderung, die solche Begriffe künftig verbieten soll. 355 Volksvertreter:innen sagten Ja zur „Schnitzel-Säuberung“, 247 blieben bei Verstand, 30 enthielten sich vermutlich aus Scham.
Der Vorschlag stammt von EVP-Abgeordneter Celine Imart, die offenbar glaubt, ein Mensch könne sich ernsthaft aus Versehen eine „Veggie-Wurst“ kaufen – und dann traumatisiert feststellen, dass sie nicht aus Schwein besteht. Ihr Argument: „Transparenz und Anerkennung für die Arbeit unserer Landwirte.“ Wie genau „Anerkennung“ dadurch entsteht, dass man Seitan in „Bratrolle“ umbenennt, bleibt offen. Vielleicht ist es ein Codewort.
Bratrolle statt Bratwurst: Das Ende der kulinarischen Zivilisation?
Kritik kam prompt – und breit. Verbraucherschützer:innen, Umweltorganisationen, Lebensmittelkonzerne, sogar Teile der Politik schlugen die Hände über dem Kopf zusammen. „Niemand kauft versehentlich ein Seitan-Schnitzel, weil er glaubt, es sei ein Schweinsschnitzel“, sagte Irina Popescu vom europäischen Verbraucherverband. Indra Kley-Schöneich von foodwatch Österreich nannte das Ganze, was es ist: Ein Geschenk an die Fleischindustrie.
Und jetzt? Bald heißt’s wohl: Bratrolle statt Bratwurst, Delikatessscheibe statt Burger, Linsenbatzen statt Hacksteak. Oder einfach: EU-Poesie in Reinform.
Österreichs Abgeordnete: zwischen Fleischfetisch und Vernunft
Die FPÖ zeigte sich erwartungsgemäß begeistert: „Kundentäuschung darf es nicht geben“, hieß es – wohl aus Angst, jemand könnte aus Versehen Gemüse essen.
Die ÖVP war – wie so oft – ein bisschen dafür und ein bisschen dagegen. Veggie-Burger ist okay, Veggie-Chicken-Nugget aber geht zu weit. Ja, genau so wird man zum Fortschrittsmotor Europas.
SPÖ, NEOS und Grüne übten hingegen scharfe Kritik. SPÖ-Mann Günther Sidl sprach von einem „Würstlpopulismus“, Anna Stürgkh von den NEOS nannte es ein „Lobbyprojekt im Dienste der Wurstindustrie“, und der Grüne Thomas Waitz diagnostizierte bei der EVP einen akuten Fleischfetisch. Diagnose: zutreffend.
Und wenn wir schon beim Unsinn sind…
Die EU-Kommission hat übrigens noch mehr Begriffszauberei auf Lager: Begriffe wie „Beef“, „Ribs“ oder „Chicken“ sollen künftig nur noch für echtes Fleisch erlaubt sein. Immerhin bleibt uns noch Kokosmilch – laut EuGH von der Euterpflicht ausgenommen. Danke für diesen kleinen Lichtblick.
Fazit?
Europa, wir haben wirklich Probleme. Aber wer braucht schon Lösungen für echte Herausforderungen, wenn man auch den Krieg gegen Erbsenprotein führen kann?
Bleibt nur die Frage:
Wer schützt eigentlich die Bürgerinnen und Bürger vor EU-Politik mit zu viel Füllstoff und zu wenig Substanz?
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