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Was die geplante Warner-Bros-Übernahme für Streaming, Kinos und Nachrichten bedeuten könnte

tahoemike10 (CC0), Pixabay
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Die geplante Übernahme von Warner Bros durch Paramount Skydance könnte Hollywood und die gesamte Medienbranche grundlegend verändern. Noch ist der Deal nicht abgeschlossen – die Zustimmung der Aufsichtsbehörden steht aus. Sollte er jedoch zustande kommen, dürften Zuschauerinnen und Zuschauer die Folgen deutlich spüren.

Streaming: Mehr Inhalte – aber höhere Preise?

Geplant ist, den Streamingdienst Paramount+ mit HBO Max von Warner Bros zusammenzuführen. Ziel ist es, einen starken Anbieter zu schaffen, der mit Netflix, Amazon und Disney konkurrieren kann.

Für Abonnentinnen und Abonnenten könnte das zunächst attraktiv sein: Mit nur einem Abo gäbe es Zugriff auf ein breiteres Angebot – von aktuellen Serienerfolgen bis hin zu Klassikern wie Casablanca, Star Trek, Friends oder Die Sopranos.

Unklar bleibt jedoch, wie sich die Preise entwickeln würden. Kurzfristig könnten Kundinnen und Kunden, die bislang beide Dienste separat bezahlen, von einem günstigeren Kombi-Angebot profitieren. Langfristig könnte ein stärkerer, konkurrenzfähiger Dienst allerdings höhere Preise durchsetzen – insbesondere wenn der Wettbewerb zwischen Streaminganbietern abnimmt.

Einige Analysten sehen Netflix weiterhin als „Preisanker“ im Markt. Solange Netflix seine Gebühren nicht deutlich erhöht, dürfte auch ein neuer Paramount-Warner-Dienst nur begrenzten Spielraum für Preisanstiege haben.

Allerdings sind mögliche Veränderungen nicht unmittelbar zu erwarten. Selbst wenn die US-Regierung unter Präsident Donald Trump eine zügige Genehmigung begünstigen sollte, könnten regulatorische Prüfungen – etwa durch einzelne Bundesstaaten wie Kalifornien – das Verfahren verzögern. Größere Änderungen im Streamingmarkt wären daher wohl erst in einigen Jahren spürbar.

Kinos: Aufatmen – aber weniger Filme?

In Hollywood herrschte zuvor die Sorge, Netflix könnte eines der letzten großen Studios übernehmen. Das hätte bedeutet, dass weitere Filme direkt im Streaming landen und nicht mehr regulär in die Kinos kommen.

Im Unterschied zu Netflix sind Paramount und Warner Bros jedoch weiterhin stark auf Kinoeinnahmen angewiesen. Branchenexperten gehen daher davon aus, dass weniger Produktionen vorschnell ausschließlich im Streaming veröffentlicht würden. Für Kinobetreiber könnte die Übernahme also ein vergleichsweise positives Szenario darstellen.

Gleichzeitig warnen Fachleute jedoch vor den typischen Folgen von Fusionen: Wenn große Studios zusammengelegt werden, sinkt häufig die Zahl der produzierten Filme – ein Effekt, der bereits nach der Übernahme von Fox durch Disney zu beobachten war.

Hinzu kommt, dass Paramount nach früheren Zusammenschlüssen bereits Sparmaßnahmen eingeleitet hat. Da für den Deal Schulden aufgenommen wurden, rechnen viele Analysten mit weiteren Kostensenkungen. Mehr Schulden bedeuten weniger finanzielle Spielräume – insbesondere für neue Inhalte.

Politische Brisanz: Ein Trump-freundlicherer Nachrichtensender?

Sollte die Übernahme umgesetzt werden, würde auch der Nachrichtensender CNN unter die Kontrolle der Ellison-Familie geraten, die enge Kontakte ins Weiße Haus pflegt. Das sorgt in den USA bereits für Kritik, insbesondere unter Demokraten und Medienorganisationen.

Kritiker befürchten, dass die Berichterstattung über die Trump-Regierung vorsichtiger oder weniger konfrontativ ausfallen könnte. Bereits bei CBS, das im Zuge früherer Zusammenschlüsse unter neuen Einfluss geriet, kam es zu personellen Veränderungen, Diskussionen über redaktionelle Unabhängigkeit und Sparmaßnahmen.

Beobachter halten es zwar für unwahrscheinlich, dass CNN sich grundlegend in Richtung eines klar parteiischen Senders wandelt. Dennoch könnten Ton und Schwerpunkt der Berichterstattung sich verschieben – etwa durch Personalentscheidungen auf Führungsebene.

Medienexperten warnen, dass eine weitere Konzentration großer Medienhäuser in den Händen weniger Eigentümer demokratiepolitische Risiken bergen könnte, insbesondere wenn diese auch in anderen, regulierungsabhängigen Wirtschaftsbereichen tätig sind.

Größere Herausforderung: YouTube

Trotz aller Diskussionen um Marktanteile und politische Einflüsse sehen einige Branchenkenner die größte Bedrohung für klassische Medienunternehmen nicht im gegenseitigen Wettbewerb, sondern in Plattformen wie YouTube.

Dort finden sich inzwischen zunehmend Formate, die klassischen Fernsehinhalten ähneln – etwa lange Interviews oder Spielshows. Gleichzeitig hat Kurzvideo-Content das Publikum traditioneller Medien weiter fragmentiert.

Für Paramount und Warner Bros geht es daher nicht nur darum, im Konkurrenzkampf untereinander zu bestehen, sondern sich gegen völlig neue Formen der Mediennutzung zu behaupten. Die eigentliche Herausforderung liegt möglicherweise weniger in der Fusion selbst – sondern in der Frage, wie sich traditionelle Medienkonzerne in einer sich rasant wandelnden digitalen Landschaft behaupten können.

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