Das ist eine spannende Frage – und die Antwort hat weniger mit „China“ als Herkunft zu tun, sondern mit Versicherungslogik und Risikobewertung. Chinesische Autos sind in der Vollkasko (teilweise auch Haftpflicht) oft teurer, weil mehrere Faktoren zusammenkommen:
🔑 Hauptgründe
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Ersatzteile & Reparaturkosten
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Viele chinesische Modelle haben (noch) kein dichtes Servicenetz in Europa.
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Ersatzteile müssen importiert werden → lange Lieferzeiten, hohe Transportkosten.
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Werkstätten haben weniger Erfahrung mit den Modellen → höhere Arbeitszeit, mehr Risiko bei Reparaturen.
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Unklare Schadenstatistik
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Deutsche Versicherer arbeiten mit sogenannten Typklassen: Je mehr und teurer Schäden ein bestimmtes Modell verursacht, desto höher die Einstufung.
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Bei neuen Marken/Modellen fehlen belastbare Erfahrungswerte → die Versicherer kalkulieren vorsichtiger (= teurer).
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Sicherheits- und Crashtests
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Zwar bestehen die meisten großen chinesischen Hersteller die europäischen Zulassungs- und NCAP-Tests, aber oft gibt es Unterschiede bei der Ersatzteilqualität und bei Reparaturfreundlichkeit.
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Kleinere Abstriche in den Tests wirken sich negativ auf die Kalkulation aus.
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Wertentwicklung & Restwert
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Versicherer schauen auch auf den Restwert eines Autos nach einem Unfall.
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Chinesische Autos haben (noch) unsichere Restwertprognosen in Europa → Risikoaufschlag.
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Technologie & Software
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Viele chinesische Fahrzeuge sind hochvernetzt, mit großen Akkus und spezieller Software.
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Schäden an Batterie oder Elektronik bedeuten oft Totalschaden oder extrem hohe Reparaturkosten.
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Besonders die Akkus sind in der Vollkasko der größte Kostentreiber.
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📊 Beispiel aus der Praxis
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Ein BYD oder Nio kann in der Versicherung ähnlich teuer sein wie ein BMW oder Mercedes in derselben Klasse – einfach, weil Reparaturen ähnlich komplex und Ersatzteile seltener sind.
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Selbst günstige Kompaktmodelle chinesischer Marken landen deshalb in ungewöhnlich hohen Typklassen.
🚗 Fazit
Chinesische Autos sind nicht per se unsicher oder schlechter – sie sind nur neu am Markt. Die Versicherer kalkulieren „auf Sicherheit“ → und das bedeutet: höhere Prämien. Wenn die Marken mehr Jahre auf dem europäischen Markt sind, sich Werkstätten besser auskennen und verlässliche Schadenstatistiken vorliegen, könnten die Tarife sinken.
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