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Warnung vor Abnehmspritzen-Hype: Schlank in 30 Tagen, Totenkopf gratis dazu

Tumisu (CC0), Pixabay
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Endlich ist sie da, die Lösung für alles: zu enge Jeans, schlechte Laune und die Nachbarin mit dem besseren BMI. Die Abnehmspritze – ursprünglich gedacht für Diabetes und schwere Adipositas – wird mittlerweile behandelt wie ein Designer-Accessoire. „Einmal Ozempic to go, bitte.“

Das Versprechen klingt verführerisch: Kilos verlieren, ohne jemals wieder ein Fitnessstudio von innen sehen zu müssen. Essen? Optional. Muskelmasse? Kollateralschaden.

Die Wiener Ärztin Eva Wegrostek sieht den Hype allerdings weniger euphorisch. Sie verschreibt das Mittel bewusst nicht an Normalgewichtige. „So einfach kann man es sich nicht machen“, sagt sie sinngemäß – was in Zeiten von Einhorn-Latte und Filter-Realität fast schon revolutionär klingt.

Von „Beach Body“ zu „Zombie Chic“

Das Problem: Viele spritzen ohne ärztliche Begleitung. Das Ergebnis? Übelkeit, Schwäche, Antriebslosigkeit – und ein Körper im „katabolen Zustand“. Übersetzt: Der Körper baut alles ab, was nicht bei drei auf den Bäumen ist – inklusive Muskeln.

Und dann kommt das, was in sozialen Medien nur selten gefiltert wird: das sogenannte „Ozempic-Face“. Wenn nicht nur das Bauchfett verschwindet, sondern auch das Gesicht. „Man schaut aus wie ein Totenkopf“, heißt es trocken.

Die nächste Station ist dann oft die ästhetische Notaufnahme: „Jetzt möchte ich aufspritzen.“ Leider braucht Hyaluron eine positive Energiebilanz. Wer unter 1.000 Kalorien täglich lebt, kann sich das Spritzen sparen – da hält nicht mal das Füllmaterial durch.

400 Euro für Selbstzweifel

Besonders charmant: Manche Ärzte bieten die Spritze auch gesunden Menschen an – für rund 400 Euro im Monat. Eine 34-jährige Frau berichtet, ihr Gynäkologe habe sie bei einer Routineuntersuchung gefragt, ob sie nicht die Abnehmspritze wolle. Sie sei weder übergewichtig noch krank gewesen – aber offenbar zahlungsfähig.

Nach dem Termin fühlte sie sich kurz wie ein Vorher-Bild. Später kam sie zum Schluss: Es war wohl eher ein Geschäftsmodell als eine Diagnose.

Game Changer – aber bitte mit Diagnose

Im Stoffwechselzentrum in Währing sieht man das nüchterner: Für Menschen mit Diabetes oder starkem Übergewicht sind GLP-1-Medikamente tatsächlich ein „Game Changer“. Sie regulieren Appetit, verlangsamen die Magenentleerung und wirken im ganzen Körper.

Aber: Indiziert sind sie ab einem BMI über 30 – oder über 27 mit Begleiterkrankungen. Für Normalgewichtige gibt es schlicht keine belastbaren Daten. Dafür gibt es Nebenwirkungen: Übelkeit, Durchfall, Erbrechen – und im ungünstigen Fall Entzündungen der Bauchspeicheldrüse oder Gallenblase.

Gerade bei älteren Menschen kann der schnelle Muskelabbau zu Stürzen führen. Schlank, aber liegend – auch kein Lifestyle-Ziel.

Schlankheit als Abo-Modell

Demnächst kommt der Wirkstoff auch als Tablette nach Europa. Für schwer kranke Menschen eine echte Erleichterung. Für den Schlankheitswahn? Vermutlich der nächste Hype im Monatsabo.

Fazit: Die Spritze ist kein Zauberstab. Wer glaubt, man könne sich Gesundheit injizieren wie Botox in die Stirn, könnte am Ende feststellen, dass Sixpack und Lebensqualität doch nicht ganz dasselbe sind.

Und vielleicht – ganz vielleicht – ist Proteinpulver weniger dramatisch als eine Identitätskrise im Wartezimmer.

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