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Wahrheitskommission für Epsteins Zorro Ranch: New Mexico will dunkle Kapitel endlich aufklären

qimono (CC0), Pixabay
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Santa Fe. Mehr als fünf Jahre nach dem Tod des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein holt den US-Bundesstaat New Mexico die Vergangenheit ein. Das Repräsentantenhaus des Bundesstaates hat mit überwältigender Mehrheit die Einsetzung einer parteiübergreifenden Sonderkommission beschlossen, die mutmaßliche kriminelle Aktivitäten auf Epsteins Anwesen – der sogenannten „Zorro Ranch“ – untersuchen soll.

Die Entscheidung fiel einstimmig mit 62 Ja-Stimmen, ohne Gegenstimme. Acht Abgeordnete waren entschuldigt. Für viele Beobachter ist es ein politisches Signal: New Mexico will Transparenz schaffen – dort, wo nach Ansicht vieler Betroffener und Politiker bislang zu wenig ermittelt wurde.

Eine Ranch mit düsterem Ruf

Die Zorro Ranch, ein weitläufiges Anwesen in den Hügeln außerhalb von Santa Fe, gehörte seit 1993 dem inzwischen verstorbenen Finanzier Jeffrey Epstein. Immer wieder tauchten Vorwürfe auf, dass dort sexuelle Übergriffe und Missbrauch stattgefunden haben könnten. Doch trotz öffentlicher Spekulationen und nationaler Ermittlungen gegen Epstein blieb die Rolle des Anwesens lange unklar.

Nun soll eine sogenannte „Truth Commission“ – eine Wahrheitskommission – klären, ob auf dem Gelände strafbare Handlungen begangen wurden und ob weitere gesetzgeberische Schritte notwendig sind. Die Kommission erhält weitreichende Befugnisse: Sie kann Zeugen vorladen und Vorladungen („Subpoenas“) ausstellen.

Im Beschlusstext heißt es, das Repräsentantenhaus sei besorgt, dass die unterlassene Untersuchung der Vorwürfe das Vertrauen in die staatlichen Institutionen untergrabe und potenziell die Sicherheit und das Wohlergehen der Bevölkerung beeinträchtige.

„New Mexico handelt, wo Washington versagt“

Die demokratische US-Abgeordnete Melanie Stansbury begrüßte den Beschluss ausdrücklich. „New Mexico handelt dort, wo die Bundesregierung versagt hat“, sagte sie bei einem Treffen mit Mitinitiatoren der Maßnahme. Jahrelang seien Vorwürfe sexueller Gewalt im Zusammenhang mit der Ranch nicht umfassend untersucht worden – weder von lokalen Behörden noch vom FBI.

Auch die demokratische Abgeordnete Marianna Anaya, eine der Initiatorinnen, sprach von einem „erleichternden Moment“. Es gehe nicht nur darum, Epsteins mögliche Taten aufzuklären, sondern auch diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die ihn unterstützt oder institutionell versagt hätten.

„Selbst wenn das bedeutet, dass der Staat sich selbst kritisch hinterfragen muss – es ist notwendig“, betonte Anaya. Besonders wichtig sei die Befugnis der Kommission, Zeugen zwangsweise vorladen zu können. Nur so könne man sicherstellen, dass Hinweise ernst genommen würden – auch von Überlebenden möglicher Straftaten.

Ein brisanter Hinweis aus dem Jahr 2019

Neue Dynamik erhielt das Thema durch die Veröffentlichung umfangreicher Akten durch das US-Justizministerium. Darunter befindet sich eine E-Mail aus dem Jahr 2019, in der ein anonymer Absender behauptet, auf den Hügeln hinter der Zorro Ranch seien zwei ausländische Frauen auf Anweisung Epsteins und einer weiteren Person begraben worden. Die Frauen seien angeblich durch Strangulation bei gewalttätigen sexuellen Praktiken ums Leben gekommen.

Die Vorwürfe sind nicht verifiziert. Ob sie jemals von Ermittlungsbehörden geprüft wurden, ist unklar. Der Empfänger der E-Mail, ein lokaler Radiomoderator, erklärte, er habe die Nachricht an das FBI weitergeleitet, aber nie eine Rückmeldung erhalten.

Diese unbeantworteten Fragen alarmierten auch Stephanie Garcia Richard, die Commissioner of Public Lands von New Mexico. Teile des Geländes rund um die Ranch sind staatliches Land, das verpachtet war. Sie betonte, nach ihrer Kenntnis sei auf diesen Flächen bislang keine Untersuchung erfolgt.

„Wenn es keine Untersuchung gegeben hat, dann müssen wir sie jetzt einfordern“, sagte Garcia Richard. Ihr Büro arbeitet nach eigenen Angaben bereits mit der staatlichen Justiz zusammen.

Fristen und politische Verantwortung

Die neu geschaffene Wahrheitskommission soll bis spätestens 1. Januar 2027 tätig sein. Bis dahin muss sie mindestens zwei Berichte vorlegen: einen Zwischenbericht bis Ende Juli und einen Abschlussbericht bis Jahresende 2026.

Parallel dazu hat das Justizministerium von New Mexico das US-Justizministerium aufgefordert, die geschwärzten Stellen der E-Mail von 2019 offenzulegen, insbesondere die Identität des Absenders. Eine Antwort steht bislang aus.

Neue Eigentümer, neue Zukunft?

Die Zorro Ranch wurde 2023 von der Familie des früheren texanischen Senators Don Huffines erworben. Huffines erklärte öffentlich, die Erlöse aus dem Verkauf seien den Opfern Epsteins zugutekommen. Das Anwesen werde nun in ein christliches Retreat-Zentrum umgewandelt. Sollten Ermittler Kontakt aufnehmen, wolle man vollständig kooperieren.

Ein Bundesstaat ringt um Aufarbeitung

Der Fall Epstein hat weltweit politische und gesellschaftliche Wellen geschlagen. Doch für New Mexico ist die Debatte keine abstrakte. Sie betrifft ein reales Grundstück, reale Anschuldigungen – und reale Versäumnisse möglicher Ermittlungen.

Mit der Einsetzung der Wahrheitskommission setzt das Parlament ein Zeichen: Ungeklärte Vorwürfe, selbst wenn sie Jahre zurückliegen und politisch brisant sind, sollen nicht länger unbeachtet bleiben.

Ob die Kommission neue Erkenntnisse zutage fördern wird, ist offen. Doch der politische Wille zur Aufklärung ist nun deutlich formuliert – und für viele Überlebende möglicher Straftaten vielleicht ein spätes Signal, dass ihre Stimmen endlich gehört werden sollen.

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