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Während Trump beim Klimaschutz bremst, wird China zur grünen Supermacht

syafrani_jambe (CC0), Pixabay
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Wie der weltweit größte CO₂-Emittent zur treibenden Kraft der globalen Energiewende wird

China hat eine Wüste erschaffen, die das Sonnenlicht nicht mehr nur reflektiert – sondern es einfängt.

Auf den goldenen Dünen der Inneren Mongolei saugen Millionen Solarpaneele die Sonnenstrahlen auf. Eine der unwirtlichsten Landschaften des Landes hat sich in eines der größten Solarenergiegebiete der Welt verwandelt.

Xin Guiyi lebt hier seit seiner Kindheit. Während er seine kleine Schafherde versorgt, blickt er auf die endlosen Reihen silbern schimmernder Module. „Früher war es hier trocken, und die Wüste wurde immer größer“, sagt er. Jahrzehntelang sahen er und viele andere Bauern zu, wie Weideflächen verschwanden. Überweidung und steigende Temperaturen ließen Vegetation verdorren, der Boden wurde vom Wind abgetragen.

In den vergangenen zehn Jahren wurden mehr als 46.000 Hektar im Kubuqi-Wüstengebiet mit Solaranlagen bebaut. Einige Anlagen formen sogar das Bild eines galoppierenden Pferdes – ein Symbol für Tempo und Kraft des technologischen Wandels.

Wissenschaftler stellen fest, dass die Paneele Schatten spenden und als Windbarriere wirken. Das stoppt die Wüste nicht vollständig, doch es stabilisiert den Boden. Für Xin ist das ein Hoffnungsschimmer. „Wind- und Solarenergie gibt es hier im Überfluss. Wir können damit unserem Land dienen.“

Eine Energiewende im XXL-Format

Was in der Inneren Mongolei geschieht, ist Teil eines gigantischen Umbaus. In Provinzen wie Gansu und Xinjiang haben sich Hügel und Ebenen in riesige Wind- und Solarparks verwandelt. Unter rotierenden Turbinen glitzern Photovoltaikfelder, die Millionen Haushalte mit Strom versorgen können.

China ist zwar weiterhin der größte CO₂-Emittent der Welt – doch zugleich baut kein Land schneller erneuerbare Energien aus. Präsident Xi Jinping versprach 2020 vor den Vereinten Nationen, dass China spätestens 2030 den Höchststand seiner Emissionen erreichen und bis 2060 klimaneutral werden wolle. Laut Analysten stagnieren oder sinken die CO₂-Emissionen inzwischen seit fast zwei Jahren.

Gleichzeitig fährt die US-Regierung unter Donald Trump ihr Engagement für Klimaschutzmaßnahmen zurück. Während Washington zentrale Umweltregelungen lockert, steht Peking plötzlich an der Spitze der globalen Energiewende.

Vom Nachzügler zum Weltmarktführer

Noch 2010 produzierte China weniger Solarstrom als Deutschland, Spanien oder die USA. Damals lag die installierte Leistung bei gerade einmal 0,1 Gigawatt.

Heute ist das Bild radikal anders: Die Solarleistung beträgt über 570 Gigawatt im Netzbetrieb – unter Einbeziehung kleinerer Anlagen sogar mehr als 1.000 Gigawatt. Neue Mega-Projekte mit Leistungen von über einem Gigawatt entstehen weiterhin im ganzen Land. Geplante Vorhaben könnten die Kapazität noch einmal deutlich verdoppeln.

China produziert inzwischen mehr Solarmodule als der Rest der Welt zusammen. Ein einziges chinesisches Werk fertigt laut Internationaler Energieagentur jedes siebte weltweit produzierte Panel.

Schattenseiten des Booms

Doch der rasante Ausbau bringt Probleme mit sich. Es gibt Überkapazitäten, Preisverfälle und massive Verluste bei Herstellern. Provinzen mussten Wind- und Solarprojekte mit über zehn Gigawatt Leistung wieder streichen.

Hinzu kommen ökologische und soziale Fragen. In Xinjiang, einem wichtigen Standort der Solar-Lieferkette, erheben Menschenrechtsorganisationen Vorwürfe zu Zwangsarbeit – was die Regierung bestreitet. Der Abbau seltener Erden für Batterien und Elektrofahrzeuge hat Landschaften verwüstet.

Auch lokal wächst Widerstand. In der südlichen Provinz Yunnan weichen traditionsreiche Teeplantagen großflächigen Solaranlagen. Bauer Duan Tiansong blickt auf die Metallgerüste, die sich über seine einst grünen Hügel ziehen. „Mein Herz schmerzt“, sagt er. Er fürchtet Bodenerosion und beklagt mangelnde Mitsprache.

Proteste gegen Solarprojekte tauchen in sozialen Medien auf – verschwinden dort aber oft schnell wieder.

Zwei Rennen zugleich

China betreibt einen Balanceakt. Das Land muss die Energieversorgung für 1,4 Milliarden Menschen sichern und gleichzeitig Kohle schrittweise ersetzen. Noch immer stammt rund 58 Prozent der Stromerzeugung aus Kohlekraftwerken. Wind- und Solarenergie kommen zusammen auf etwa 18 Prozent – mit stark steigender Tendenz.

Experten sehen dennoch einen Wendepunkt erreicht. „Saubere Energie wächst inzwischen schneller als der Strombedarf“, sagt Energieanalyst Qi Qin. „Fossile Brennstoffe werden zunehmend verdrängt.“

Ein Strukturwandel mit Gewinnern und Verlierern

In der Provinz Anhui führte jahrzehntelanger Kohleabbau zu Bodensenkungen und überfluteten Dörfern. Auf den entstandenen Seen schwimmen heute riesige Solarfelder. Wo einst Häuser standen, spiegeln sich nun Photovoltaikmodule im Wasser.

Doch nicht alle profitieren. Ältere Bewohner wie das Ehepaar Guo blieben zurück, nachdem ihr Dorf im Wasser versank. „Alles ist verloren“, sagt die 73-jährige Frau Guo. Arbeit finden sie nicht mehr – sie bewirtschaften die wenigen verbliebenen Flächen, um zu überleben.

Globale Konsequenzen

China hat schon einmal die Weltwirtschaft verändert – als es sich in den 1980er-Jahren öffnete und zur Werkbank der Welt wurde. Nun gestaltet es die Energiewende in ähnlichem Tempo.

Ob andere Länder mithalten können, ist fraglich. „Chinas Vorsprung ist so groß und so systematisch, dass sich die Frage nicht mehr stellt, ob man mit Peking kooperieren sollte – sondern wie“, sagt Klimaexperte Li Shou.

Während die USA unter Trump ihre Klimaziele zurückfahren, positioniert sich China als unverzichtbarer Akteur im globalen Kampf gegen den Klimawandel – mit all seinen Widersprüchen.

Denn der grüne Wandel in China ist kein sanfter Übergang. Er ist ein gewaltiger Umbau – schnell, zentral gesteuert und nicht frei von Konflikten.

Und er verändert nicht nur eine Wüste, sondern das globale Kräfteverhältnis in der Energiepolitik.

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