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Vorkostenbetrug bei Online-Krediten erkennen – Interview mit Rechtsanwalt Niklas Linnemann zur BaFin-Warnung vor finanzpluss.online

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Redaktion: Herr Linnemann, die BaFin warnt aktuell vor der Website finanzpluss.online, auf der angeblich Kredite vergeben werden. Worin liegt das Problem?

Rechtsanwalt Niklas Linnemann:
Nach den Erkenntnissen der Finanzaufsicht bietet die Plattform Kredite ohne erforderliche Erlaubnis an. Besonders problematisch ist, dass Betroffene zunächst hohe Gebühren zahlen sollen, während die versprochenen Darlehen anschließend gar nicht ausgezahlt werden. Das deutet auf einen klassischen Vorkostenbetrug hin.

Redaktion: Wie funktioniert diese Betrugsmasche typischerweise?

Linnemann:
Die Anbieter werben mit schnellen Kreditzusagen, oft auch bei schlechter Bonität. Nach der Zusage werden Bearbeitungsgebühren, Versicherungen oder „Sicherheitsleistungen“ verlangt. Sobald das Geld überwiesen wurde, bricht der Kontakt häufig ab oder es werden immer neue Gebühren gefordert. Der Kredit selbst wird nie ausgezahlt.

Redaktion: Welche Warnsignale sollten Verbraucher besonders ernst nehmen?

Linnemann:
Typische Warnzeichen sind:

  • Kreditzusage ohne Bonitätsprüfung
  • Forderung nach Gebühren vor Auszahlung
  • fehlende oder nicht überprüfbare Unternehmensangaben
  • angeblicher Sitz in Deutschland, aber ausländische Kontoverbindungen
  • Zeitdruck oder aggressive Kontaktaufnahme per Telefon oder E-Mail

Spätestens wenn vorab Geld verlangt wird, sollten Verbraucher äußerst skeptisch werden.

Redaktion: Wie können sich Verbraucher vor solchen Angeboten schützen?

Linnemann:
Vor Vertragsabschluss sollte immer geprüft werden, ob das Unternehmen in der Unternehmensdatenbank der BaFin registriert ist. Außerdem sollte man niemals Vorauszahlungen leisten, bevor ein Kredit tatsächlich ausgezahlt wurde. Seriöse Banken verrechnen Gebühren grundsätzlich erst im Rahmen der Kreditabwicklung – nicht vorher.

Redaktion: Was raten Sie Betroffenen, die bereits gezahlt haben?

Linnemann:
Sie sollten umgehend ihre Bank informieren, um eine Rückbuchung zu prüfen, und Strafanzeige bei der Polizei erstatten. Zusätzlich kann eine rechtliche Beratung helfen, mögliche weitere Schritte zu klären, insbesondere wenn persönliche Daten übermittelt wurden.

Redaktion: Ihr Fazit?

Linnemann:
Online-Kreditangebote können seriös sein, aber Verbraucher sollten sich niemals unter Druck setzen lassen. Wer Anbieter überprüft, keine Vorkosten zahlt und bei ungewöhnlich schnellen Kreditzusagen misstrauisch bleibt, reduziert das Risiko erheblich, Opfer solcher Betrugsmodelle zu werden.

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