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Von Extremismus zur Macht? Die neuen Pläne der freigelassenen Proud Boys-Anführer

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
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Vier Jahre nach dem Sturm auf das US-Kapitol haben einige der prominentesten Anführer der Proud Boys neue Ziele: Politik, Justizreformen – und eine Rückkehr in den Mainstream. Doch ihre Vergangenheit wirft Fragen auf.

Miami, Florida – Als Enrique Tarrio nach fast drei Jahren Haft in Miami landete, erwartete ihn ein Empfang, den sonst nur Prominente oder polarisierende Politiker bekommen: Kameras, jubelnde Anhänger und unzählige Journalisten. Tarrio, einst als Mastermind hinter dem Sturm auf das Kapitol bezeichnet und wegen verschwörerischer Aufwiegelung zu 22 Jahren Gefängnis verurteilt, kehrte in die Öffentlichkeit zurück – begnadigt von Donald Trump.

Doch er war nicht der Einzige: Auch Ethan Nordean (18 Jahre), Joseph „Joe“ Biggs (17 Jahre) und Zachary Rehl (15 Jahre), alle führende Figuren der Proud Boys, sind nach Trumps umstrittener Entscheidung wieder auf freiem Fuß. Nun planen sie ihren nächsten Schritt – und der könnte Amerika nachhaltig verändern.

Radikale Vergangenheit, politische Zukunft?

Tarrio und seine Kameraden präsentieren sich heute als geläuterte Männer mit neuen Ambitionen. Doch ihre Pläne lesen sich wie eine Mischung aus politischem Comeback und fragwürdiger Imagepolitur.

  • Enrique Tarrio deutet an, in die Politik gehen zu wollen – in welcher Rolle, bleibt unklar.
  • Ethan Nordean will eine Organisation gründen, die „die amerikanische Männlichkeit wiederherstellen“ soll.
  • Zachary Rehl plant, für den Kongress zu kandidieren, weiß aber noch nicht für welchen Sitz.
  • Joe Biggs will mit Kim Kardashian zusammenarbeiten, um die amerikanische Strafjustiz zu reformieren.

Während ihre Rhetorik nun gemäßigter klingt, bleiben ihre Grundüberzeugungen offenbar unangetastet. Auf die Frage, ob sie ihre Taten vom 6. Januar 2021 bereuen, antworteten alle vier einstimmig: Nein.

Von Extremisten zu „politischen Märtyrern“?

Die Proud Boys galten lange als eine militante, rechtsextreme Gruppierung, die sich in Straßenkämpfen mit Antifa-Anhängern und LGBTQ+-Aktivisten hervortat. Doch mit ihrer Freilassung versuchen ihre ehemaligen Anführer, sich als unschuldig verfolgte Patrioten darzustellen.

Laut Brett Gadsden, Professor für politische Geschichte an der Northwestern University, ist dies eine altbewährte Strategie extremistischer Gruppen: „Wenn man den radikalen Ruf abschwächt und sich als Teil des Establishments präsentiert, kann man sich politisch rehabilitieren.“

Doch die Vergangenheit der Proud Boys ist schwer zu ignorieren:

  • Zachary Rehl wurde dabei gefilmt, wie er Capitol-Polizisten mit Pfefferspray attackierte – er behauptet, sich nicht daran zu erinnern.
  • Joe Biggs, ein ehemaliger Infowars-Korrespondent, wurde als einer der ersten verhaftet, nachdem er das Kapitol gestürmt hatte.
  • Ethan Nordean wurde von Staatsanwälten als „der unangefochtene Anführer auf dem Boden des Kapitols“ bezeichnet.

Eine zweite Chance oder eine Gefahr für die Demokratie?

Während viele Republikaner und Trump-Anhänger ihre Begnadigung bejubeln, zeigen Umfragen ein anderes Bild:

  • 80 % der Amerikaner lehnen die Aktionen der Kapitolstürmer weiterhin ab.
  • Nur 30 % der Republikaner verurteilen den 6. Januar noch scharf – ein Rückgang von 51 % im Jahr 2021.

Für Cassie Miller vom Southern Poverty Law Center ist der plötzliche Rückhalt für die Proud Boys weniger ein Zeichen der Rehabilitation als vielmehr ein Beweis für Trumps anhaltenden Einfluss auf die politische Landschaft.

„Trump hat ihnen signalisiert, dass er ihre Gewalt billigt“, warnt Miller.

Ein Test für die amerikanische Demokratie

Ob Tarrio, Rehl und Co. ihre hochtrabenden Pläne wirklich umsetzen können, bleibt abzuwarten. Doch ihre Rückkehr ins politische Rampenlicht zeigt, wie tief gespalten die USA sind – und dass die Radikalisierung der rechten Szene längst nicht vorbei ist.

Sollte es tatsächlich zu einer Kandidatur eines ehemaligen Proud Boys für den Kongress kommen, wäre das ein historischer Moment – und ein weiterer Test für die amerikanische Demokratie. „Stranger things have happened“, sagt Tarrio selbst über seine mögliche politische Zukunft. Seltsameres ist bereits passiert.

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