Die seltenen Erden Grönlands haben es Donald Trump offenbar angetan. Der ehemalige US-Präsident sieht in der rohstoffreichen Insel im Nordatlantik eine strategische Chance, die Abhängigkeit der USA von China bei kritischen Metallen zu verringern – insbesondere bei Materialien, die für Militärtechnik, E-Autos und Medizingeräte unentbehrlich sind.
„Wir brauchen Grönland. Es ist derzeit strategisch extrem wichtig“, sagte Trump Anfang des Monats. Wenige Tage später kündigte er in einer Pressekonferenz mit Ölkonzernen an: „Wir werden in Grönland etwas unternehmen – ob sie es wollen oder nicht. Wenn es nicht auf einfache Weise geht, dann auf die harte.“
Hinter der Rhetorik steckt vor allem das Interesse an Grönlands unerschlossenen Ressourcen. Trumps ehemaliger Sicherheitsberater Mike Waltz bestätigte 2024 bei Fox News: Es gehe um „kritische Mineralien und natürliche Ressourcen“.
Die arktische Realität: Eis, Isolation und Investitionsbedarf
Doch zwischen Trumps Wunschdenken und der Realität liegt eine dicke Eisschicht – im wahrsten Sinne des Wortes. Rund 80 Prozent der Insel sind von Gletschern bedeckt, viele Vorkommen liegen tief in abgelegenen Regionen nördlich des Polarkreises. Eis, Dunkelheit und fehlende Infrastruktur machen den Abbau extrem aufwändig und teuer.
„Die Idee, Grönland in eine US-Rohstofffabrik zu verwandeln, ist reine Science-Fiction. Völlig verrückt“, sagt Malte Humpert vom Arctic Institute. „Man könnte genauso gut versuchen, auf dem Mond zu schürfen – in mancher Hinsicht ist der Mond sogar zugänglicher.“
Tatsächlich sind industrielle Aktivitäten in der Arktis laut Experten fünf- bis zehnmal teurer als anderswo auf der Welt. Dazu kommt: Grönland ist zwar offen für ausländische Investitionen, aber nicht für politische Übernahmen.
Trump und der Mythos vom Goldtopf
Auch wirtschaftlich sei das Projekt fragwürdig. „Wenn am Ende des Regenbogens wirklich ein Goldtopf läge, wären private Firmen längst dort aktiv“, sagt Jacob Funk Kirkegaard vom Peterson Institute. Das Problem: Der Anfangsinvestitionsbedarf ist gigantisch – und nur durch massive staatliche Subventionen denkbar.
Die Idee, Grönland einfach „zu übernehmen“, stößt daher nicht nur auf Skepsis, sondern auf Ablehnung. In einer Umfrage vom Januar 2025 sprachen sich nur 6 % der Grönländer für einen Anschluss an die USA aus – 85 % waren dagegen.
„Warum sollte man ein Land übernehmen wollen, wenn man durch Kooperation alles bekommen könnte?“, fragt Christian Keldsen vom grönländischen Wirtschaftsverband. Er warnt: „Zurzeit ist alles Amerikanische ein rotes Tuch. Viele fragen sich: Unterstütze ich jemanden, der mein Land übernehmen will?“
Klimawandel und politische Risiken
Die Erderwärmung hat zwar Teile der arktischen Route zugänglich gemacht, doch sie bringt neue Gefahren: instabiler Boden, Erdrutschrisiken – und nicht zuletzt Umweltauflagen. Diese spiegeln den Wunsch der Bevölkerung wider, die fragile Natur zu schützen. Eine Missachtung würde politische Konflikte provozieren.
„Wer versucht, Umweltstandards zu umgehen, könnte schnell in einer feindlichen politischen Lage landen“, sagt Kirkegaard. Für viele in Grönland ist klar: Kooperation ja – Kolonialfantasien nein.
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