Die Vereinigten Staaten haben dem kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro das Visum entzogen. Das teilte das US-Außenministerium am Freitag mit. Hintergrund sei Petros „aufrührerisches Verhalten“ während einer pro-palästinensischen Kundgebung in New York, bei der er US-Soldaten zur Befehlsverweigerung aufgerufen haben soll.
Aufruf an US-Soldaten: „Gehorcht nicht Trump – gehorcht der Menschlichkeit!“
Petro hatte am Freitag auf der Straße vor dem UN-Hauptquartier durch ein Megafon zu einer Menschenmenge gesprochen. Auf seinen sozialen Kanälen veröffentlichte er ein Video, in dem er – übersetzt – forderte:
„Ich bitte die Soldaten der US-Armee: Richtet eure Gewehre nicht gegen die Menschheit. Gehorcht nicht Trumps Befehl – gehorcht der Menschlichkeit!“
Er rief zudem die Nationen der Welt auf, eine Armee „größer als die der Vereinigten Staaten“ aufzustellen.
Das US-Außenministerium reagierte mit scharfer Kritik:
„Präsident Petro hat öffentlich zur Befehlsverweigerung aufgerufen und damit zur Gewalt angestiftet. Seine Aussagen sind unverantwortlich und gefährlich,“ hieß es auf der Plattform X (ehemals Twitter). Die Entscheidung, ihm das Visum zu entziehen, sei „die direkte Folge“ seines Auftretens.
Innenminister Kolumbiens kritisiert Entscheidung
Kolumbiens Innenminister Armando Benedetti äußerte sich am Freitagabend ebenfalls auf X. Seiner Ansicht nach hätte man „lieber dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu das Visum entziehen sollen – nicht Petro“. Er ergänzte:
„Aber da das Imperium ihn schützt, trifft es nun den einzigen Präsidenten, der es wagte, ihm die Wahrheit ins Gesicht zu sagen.“
Hintergrund: Wachsende Spannungen zwischen Bogotá und Washington
Die Beziehungen zwischen Kolumbien und den USA haben sich seit dem Amtsantritt von Gustavo Petro, dem ersten linken Präsidenten des Landes, spürbar verschlechtert. Zuletzt hatte Petro in einem BBC-Interview die Luftschläge der Trump-Regierung auf mutmaßliche Drogenschmugglerboote in der Karibik als „Akt der Tyrannei“ bezeichnet. Er äußerte auch den Verdacht, dass bei diesen Angriffen kolumbianische Staatsbürger getötet worden seien.
Washington wiederum rechtfertigt die Einsätze als Teil einer Anti-Drogen-Operation vor der Küste Venezuelas. Die US-Regierung wirft dem venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro vor, ein Drogenkartell zu führen.
Kolumbien ist nach wie vor der größte Kokainproduzent der Welt – ein zentraler Streitpunkt in den bilateralen Beziehungen.
Auch Abbas und palästinensischen Vertretern Visa verweigert
Neben Petro verweigerten die USA in dieser Woche auch dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas sowie rund 80 palästinensischen Vertretern die Einreise zur UN-Generalversammlung in New York. Eine offizielle Begründung für diese Entscheidung liegt bislang nicht vor.
Petro auf Rückreise nach Kolumbien
Petro befand sich laut kolumbianischen Medienberichten am Freitagabend bereits auf dem Rückflug nach Bogotá. Ob die Entscheidung der USA langfristige Auswirkungen auf seine diplomatische Bewegungsfreiheit haben wird, bleibt abzuwarten.
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