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Viel Lärm um Diamanten – und noch mehr Eigenwerbung Helmut Kaltenegger

GrownDiamond (CC0), Pixabay
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Wer sich stark fühlt, müsste eigentlich gelassen bleiben. Doch genau daran fehlte es in der jüngsten Ausgabe von „TG TV“ auffallend. Über weite Strecken wirkte die Sendung weniger wie eine nüchterne Aufklärung über ein konkurrierendes Geschäftsmodell, sondern eher wie der Versuch, einen Mitbewerber öffentlich zu diskreditieren – flankiert von Eigenlob, Werbebotschaften und alten Rechnungen.

Im Zentrum stand ein „Diamanten mit Rabatt“-Modell, das von den Moderatoren und Gästen mit großer Skepsis bedacht wurde. Der Vorwurf: Hinter dem Vertrieb stünden dubiose Personen, darunter ein ehemaliger Vertriebsdirektor, gegen den laut Aussagen in der Sendung ein Strafverfahren wegen Betrugsverdachts laufe. Dazu kamen Schilderungen eines früheren Geschäftspartners, der von geplatzten Auszahlungen, zivilrechtlichen Forderungen und einem forensischen Gutachten berichtete, wonach Gelder nicht wie versprochen in den physischen Goldhandel, sondern auf einer Sportwettenplattform gelandet seien.

Das sind schwere Vorwürfe. Und gerade deshalb wäre Zurückhaltung angebracht gewesen. Denn auch wenn eine eingeladene Anwältin ausdrücklich darauf hinwies, dass es sich um laufende Verfahren und bloße Verdachtslagen handle, wurde in der Dramaturgie der Sendung doch sehr klar ein Bild erzeugt: hier die seriöse, bewährte Seite – dort das fragwürdige neue Modell aus Dubai.

Genau an diesem Punkt beginnt jedoch das Problem.

Denn so legitim es sein mag, sich gegen Verleumdungen oder aggressive Abwerbeversuche zu wehren, so unerquicklich ist es, einen Wettbewerber öffentlich schlechtzureden, während man die eigene Sache in den schillerndsten Farben darstellt. Wer ständig betont, wie stark, einzigartig und unangreifbar das eigene System sei, der müsste sich von einem konkurrierenden Angebot eigentlich nicht derart provoziert fühlen. Oder, um es mit einem alten Sprichwort zu sagen: Was stört es die Eiche, wenn sich ein Wildschwein an ihr reibt?

Tatsächlich wirkte die Sendung weniger wie ein souveränes Dementi als wie ein bemerkenswert nervöses Gegenfeuer. Immer wieder fiel der Satz, man habe „lange genug zugeschaut“, nun sei „genug“. Doch je länger die Ausführungen dauerten, desto stärker drängte sich ein anderer Eindruck auf: Hier wollte jemand nicht nur aufklären, sondern die Deutungshoheit behalten.

Hinzu kommt ein zweiter, vielleicht noch interessanterer Punkt: Die Kritik am Diamantenmodell wirft unweigerlich ein Schlaglicht auf das eigene Geschäftsmodell. Denn wenn in der Sendung betont wird, wie unsicher, illiquide und schwer überprüfbar Diamanten seien, dann wäre umso mehr zu erwarten gewesen, dass das eigene „Gold mit Rabatt“-Prinzip glasklar und widerspruchsfrei erklärt wird. Stattdessen wurden auch diesmal wieder spektakuläre Wachstumszahlen, hohe monatliche Vorteile, Goldkonten, Zahlungsanbieter, Fördermaschinen, Minenbeteiligungen, Reality-TV, Transparenzoffensiven und große Zukunftsversprechen in rascher Folge aneinandergereiht.

Das Ergebnis: viel Pathos, viele Superlative – aber kaum kritische Selbstprüfung.

Gerade deshalb lohnt ein nüchterner Blick. Das angegriffene Diamantenangebot mag Risiken haben, vor allem dann, wenn es tatsächlich über schwer greifbare Auslandsstrukturen in Dubai organisiert wird. Das wurde in der Sendung mehrfach betont und ist als Warnhinweis nicht von der Hand zu weisen. Doch zugleich erscheint das dort kritisierte Angebot auf den zweiten Blick nicht automatisch unplausibler als das eigene Modell, das mit Rabatten, außergewöhnlichen Renditeerwartungen und permanentem Verweis auf künftige Expansion wirbt.

Wer also das eine Modell mit dem Hinweis auf fehlende Liquidität, Intransparenz und schwer durchsetzbare Rechtsansprüche kritisiert, muss sich gefallen lassen, dass Beobachter dieselben Maßstäbe auch an das andere Modell anlegen.

Und genau hier wird es heikel: Die Sendung wollte offenbar Zweifel am Konkurrenzangebot säen, dürfte aber bei manchem Zuschauer vor allem neue Fragen zum eigenen System ausgelöst haben.

Dass zwischen all den Angriffen auf das Diamantenmodell noch ausführlich Tickets verlost, ein Kick-off-Event beworben, eine Reality-Show angekündigt und neue Zahlungsprodukte angepriesen wurden, machte die Sache nicht glaubwürdiger. Im Gegenteil. Es verstärkte den Eindruck, dass hier Aufklärung, Imagepflege und Verkaufsveranstaltung munter ineinanderflossen.

Unterm Strich bleibt daher vor allem eines: Wer andere öffentlich vorführt, sollte selbst über jeden Zweifel erhaben sein. Diese Beweislage hat die Sendung eher behauptet als geliefert.

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