Ein Bericht von CNN zeigt verstörende Hinweise auf das Schicksal Dutzender Palästinenser, die beim Versuch, Hilfsgüter nahe des Zikim-Grenzübergangs in Gaza zu erhalten, verschwanden. Laut einer umfassenden Recherche wurden einige der Getöteten offenbar vom israelischen Militär mit Bulldozern verscharrt – in flachen, unmarkierten Gräbern oder sogar offen liegen gelassen.
Einer von ihnen war Ammar Wadi. Im Juni machte er sich auf den Weg, um für seine Familie Mehl zu holen. Auf seinem Handy hinterließ er die Nachricht: „Vergib mir, Mama, wenn mir etwas zustößt.“ Er kam nie zurück. Wochen später fand jemand sein Handy – und übergab es seiner Familie. Seitdem fehlt jede Spur von ihm.
CNN sichtete Hunderte Videos und Bilder, sprach mit Augenzeugen, Fahrern von Hilfstransporten und analysierte Satellitenaufnahmen. Mehrere Videos zeigen, wie sich Menschen unter Beschuss retten wollen – und wie Leichen umgestürzter Lastwagen liegen bleiben oder notdürftig mit Sand bedeckt wurden.
Die israelische Armee (IDF) bestreitet, gezielt zivile Hilfesuchende zu töten oder Bulldozer zum „Entsorgen“ von Leichen zu verwenden. Sie räumt jedoch ein, dass Bulldozer in Zikim „routinemäßig“ im Einsatz seien – etwa zur Beseitigung von Gefahren oder Trümmern.
Laut Völkerrecht sind Kriegsparteien verpflichtet, getötete Personen würdig zu bestatten und identifizierbar zu machen. Die Praxis, Tote zu verscharren oder verwesen zu lassen, kann als „Verstoß gegen die persönliche Würde“ gelten – ein Kriegsverbrechen gemäß Genfer Konventionen.
Ehemalige IDF-Soldaten berichten anonym gegenüber CNN und der NGO „Breaking the Silence“ von ähnlichen Fällen in anderen Teilen Gazas: Leichen unbewaffneter Palästinenser wurden liegengelassen, Hunde fraßen daran, Bulldozer verscharrten sie später ohne Kennzeichnung. Es gebe keine Anweisung, wie mit Toten umzugehen sei.
Im April wurden in der Nasser-Klinik in Khan Younis Massengräber gefunden – CNN hatte zuvor auch die systematische Zerstörung palästinensischer Friedhöfe durch israelische Bulldozer dokumentiert.
Die Familien der Vermissten bleiben in tiefer Ungewissheit. „Wenn ich an Ammar denke, kann ich nicht aufhören zu weinen“, sagt seine Mutter. Sein Bruder fügt hinzu: „Wenn er tot ist – möge Gott ihm gnädig sein. Wenn er lebt – dann haben wir wenigstens Hoffnung.“
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