Hier ist eine kritische, aber faire Analyse der NZZ-Nutzungsbedingungen Version 2.7 aus Sicht eines Verbrauchers, mit Fokus auf Transparenz, rechtliche Fallstricke und mögliche Benachteiligungen:
1. Akzeptanz durch Nutzung – keine aktive Zustimmung erforderlich
Kritikpunkt:
Die Nutzungsbedingungen gelten automatisch mit Nutzung der Produkte – unabhängig davon, ob ein explizites Einverständnis abgegeben wurde. Das ist zwar rechtlich zulässig, aber verbraucherunfreundlich, weil Nutzer dadurch vertraglich gebunden werden, ohne die Bedingungen aktiv akzeptiert zu haben.
Tipp für Verbraucher:
Vor der Nutzung unbedingt in die Bedingungen schauen – viele akzeptieren unbewusst weitreichende Regelungen.
2. Einschränkungen der Nutzung – insbesondere für KI und maschinelles Lernen
Positiv:
Die Einschränkung, dass Inhalte nicht zum Training von KI-Systemen genutzt werden dürfen, schützt geistiges Eigentum.
Kritikpunkt:
Auch für rein private Nutzung ist der Rahmen relativ eng. Schon einfache technische Automatisierungen könnten gegen die Bedingungen verstoßen.
3. Keine Haftung – außer bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit
Kritikpunkt:
Die Haftung ist stark eingeschränkt. Bei Lieferproblemen oder technischen Ausfällen wird eine Haftung nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit übernommen – ein für Verbraucher äußerst hoher Schwellenwert.
Beispiel:
Fällt eine digitale Ausgabe aus oder wird ein Print-Abo tagelang nicht geliefert, besteht meist kein Anspruch auf Entschädigung.
4. Automatische Vertragsverlängerung bei Kreditkarte/Paypal
Kritikpunkt:
Abonnements, die mit Kreditkarte oder PayPal abgeschlossen werden, verlängern sich automatisch – oft ohne weitere Erinnerung.
Verbraucherfalle:
Zwar gibt es ein 7-Tage-Kündigungsrecht nach der Verlängerung, aber wer das verpasst, bleibt im Vertrag. Diese automatische Bindung ist leicht zu übersehen.
5. Kein Zugriff mehr nach Vertragsende – auch bei bereits geladenen Ausgaben
Kritikpunkt:
Ein besonders kundenunfreundlicher Passus: Mit Vertragsende erlischt auch der Zugriff auf bereits bezahlte und heruntergeladene Inhalte. Das widerspricht dem allgemeinen Grundsatz, dass erworbene Inhalte im Besitz des Nutzers bleiben sollten.
Fazit:
Hier wird eine Art Lizenzmodell statt Eigentum durchgesetzt – aus Verbrauchersicht ist das kritikwürdig, weil bereits bezahlte Inhalte verloren gehen.
6. Preisänderungen bis zu 10 % ohne Sonderkündigungsrecht
Positiv:
Preiserhöhungen über 10 % innerhalb von 12 Monaten lösen ein Sonderkündigungsrecht aus – gut geregelt.
Kritikpunkt:
Mehrere kleinere Erhöhungen unter der 10-%-Schwelle können sich dennoch deutlich summieren, ohne dass eine Kündigung möglich wäre.
7. Haftung für nutzergenerierte Inhalte – Risiko beim Nutzer
Kritikpunkt:
Wer Kommentare oder andere Inhalte erstellt, trägt das volle rechtliche Risiko – inklusive Freistellungspflicht für die NZZ im Falle rechtlicher Ansprüche Dritter.
Fazit:
Für Nutzer ist das rechtlich gefährlich. Wer unbedacht einen Kommentar postet, könnte für Abmahnkosten oder Klagen selbst haften.
8. Urheberrechte gehen an NZZ über
Kritikpunkt:
Nutzer übertragen sämtliche Urheberrechte an selbst erstellten Inhalten (z. B. Leserkommentare) unwiderruflich an die NZZ. Damit kann das Unternehmen mit diesen Inhalten frei wirtschaften, auch ohne Zustimmung oder Vergütung.
9. Gerichtsstand Schweiz – auch für deutsche Nutzer
Kritikpunkt:
Selbst für Nutzer mit Wohnsitz in Deutschland ist Zürich ausschließlicher Gerichtsstand. Das ist für Verbraucher unvorteilhaft, weil es Verfahren teurer und komplizierter macht – und faktisch Klagehürden aufbaut.
⚖️ Gesamtfazit (Verbrauchersicht):
Die NZZ-Nutzungsbedingungen sind juristisch sauber formuliert und bieten in einigen Punkten Transparenz – aber sie bevorzugen klar die Anbieterinteressen. Besonders kritisch:
- starke Einschränkungen der Haftung,
- automatische Verlängerungen mit kurzer Kündigungsfrist,
- kein Besitzrecht an bezahlten digitalen Inhalten,
- einseitige Gerichtsstandsregelung,
- Abwälzung des Haftungsrisikos auf Nutzer bei Kommentaren.
Empfehlung für Verbraucher:
- Vor Vertragsabschluss gründlich prüfen, ob automatische Verlängerung aktiviert ist.
- Digitale Inhalte besser lokal sichern – auch wenn der Zugriff rechtlich danach verloren geht.
- Kommentare nur mit Bedacht posten – rechtliche Folgen nicht unterschätzen.


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