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Vatikan lockert jahrhundertealte Sprachtradition – Latein nicht mehr erste Amtssprache

jillmackie (CC0), Pixabay
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Der Vatikan verabschiedet sich ein Stück weit von einem seiner traditionsreichsten Merkmale: Latein ist nicht länger die bevorzugte und vorgeschriebene Amtssprache der römischen Kurie. Das geht aus einer überarbeiteten Fassung des Regolamento Generale hervor – dem zentralen Verwaltungsregelwerk des Heiligen Stuhls.

Bislang enthielt Artikel 50 die klare Vorgabe, dass Behörden ihre Schriftstücke „in der Regel in Latein“ verfassen. Die neue Formulierung öffnet den Sprachgebrauch nun deutlich: „Die Behörden der Kurie schreiben ihre Akten in der Regel in Latein oder in einer anderen Sprache.“ Damit hebt der Vatikan erstmals offiziell hervor, was in der täglichen Praxis vieler Mitarbeiter längst üblich ist.

Mehr Pragmatismus im globalen Verwaltungsapparat

Die Änderung bedeutet keinen Bruch mit der Tradition. Latein bleibt liturgische Sprache der Weltkirche und ein zentraler Teil der katholischen Identität. Doch angesichts eines internationalen Mitarbeiterstabs und komplexer globaler Kommunikationsstrukturen setzt der Vatikan auf pragmatische Effizienz.

Dokumente, interne Schreiben und Übersetzungen werden zunehmend auf Italienisch, Spanisch oder Englisch erstellt – Sprachen, die für viele vatikanische Beschäftigte und Partnerinstitutionen einfacher zu handhaben sind. Die offizielle Lockerung soll Abläufe beschleunigen und Missverständnisse minimieren.

Modernisierung mit Symbolkraft

Beobachter sprechen von einem weiteren Modernisierungsschritt im Verwaltungsapparat, der immer wieder als schwerfällig und reformbedürftig kritisiert wurde. Die neue Sprachregelung soll den Bürokratieapparat flexibler machen und die internationale Arbeitsrealität besser abbilden.

Für Traditionalisten dürfte der Schritt allerdings einen symbolischen Verlust bedeutet: Die lateinische Amtssprache galt lange als Ausdruck der Unveränderlichkeit und Universalität der katholischen Kirche. Dass der Vatikan diese Vorgabe nun lockert, interpretierten manche als weiteres Zeichen dafür, dass unter Papst Franziskus alte Rituale und Gewohnheiten zugunsten funktionaler Lösungen zurücktreten.

Ein vorsichtiger Abschied – aber kein Ende

Ganz verabschiedet sich der Vatikan allerdings nicht vom Latein. In der Liturgie, in offiziellen Lehrschreiben und als Hüter seiner jahrhundertelangen Tradition bleibt die Sprache tief verankert. Die Kurienreform macht lediglich deutlich: Im Verwaltungsalltag zählt inzwischen vor allem Verständlichkeit – und die erreicht man heute oft besser in modernen Sprachen.

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