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Vater eines mutmaßlichen Schulattentäters in Georgia muss sich wegen Mordes vor Gericht verantworten

AJEL (CC0), Pixabay
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Der Vater eines Jugendlichen, der 2024 an einer Highschool im US-Bundesstaat Georgia vier Menschen erschossen haben soll, muss sich nun selbst wegen Mordes und Totschlags vor Gericht verantworten. Der Fall gilt als weiterer Prüfstein dafür, wie weit die strafrechtliche Verantwortung von Eltern bei Schulschießereien reicht.

Colin Gray (54), der Vater des heute 16‑jährigen Colt Gray, hat auf fast 30 Anklagepunkte, darunter jeweils zwei Anklagen wegen Mordes zweiten Grades und fahrlässiger Tötung, auf nicht schuldig plädiert.

Hintergrund des Falls

Auslöser ist die Schusswaffe, die Colt Gray am 4. September 2024 an der Apalachee High School in Winder eingesetzt haben soll. Der damals 14‑Jährige soll mit einem halbautomatischen Gewehr im AR‑15‑Stil zwei Schülerinnen und zwei Lehrkräfte getötet sowie neun weitere Menschen verletzt haben. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden stellte sich der Teenager der Polizei und räumte die Tat ein.

Bereits mehr als ein Jahr zuvor hatten Ermittler Vater und Sohn wegen Online-Drohungen zu einer möglichen Schulschießerei befragt. Trotz dieser Warnsignale kaufte Colin Gray seinem Sohn im Dezember 2023 zu Weihnachten eine Schusswaffe – genau jene, die später bei dem Angriff verwendet worden sein soll, wie zwei mit den Ermittlungen vertraute Sicherheitsquellen bestätigten.

Vorwurf: kriminelle Fahrlässigkeit

Die Anklage wirft dem Vater vor, seinem Sohn weiterhin Zugang zu Waffen und Munition gewährt zu haben, obwohl er ausreichend gewarnt gewesen sei, dass von dem Jugendlichen eine Gefahr für andere ausgehe. Dies stelle eine bewusste Missachtung eines erheblichen und ungerechtfertigten Risikos dar und erfülle den Tatbestand der kriminellen Fahrlässigkeit.

Eine Stellungnahme der Verteidigung liegt bislang nicht vor.

Der Prozess reiht sich in eine wachsende Zahl von Verfahren ein, in denen neben Tätern auch Eltern oder staatliche Stellen für Schulschießereien zur Verantwortung gezogen werden. Beobachter rechnen mit emotionalen Zeugenaussagen von Überlebenden und Angehörigen der Opfer.

Parallelen zum Crumbley-Prozess

Der Fall erinnert an den viel beachteten Prozess gegen James und Jennifer Crumbley aus Michigan. Ihr Sohn hatte 2021 vier Mitschüler getötet. Die Eltern wurden wegen fahrlässiger Tötung zu Haftstrafen von jeweils zehn bis 15 Jahren verurteilt – ein Präzedenzfall in den USA.

Der Strafverteidiger Andrew Fleischman aus Atlanta erklärte, die emotionale Dimension des Falls könne die Verteidigung erheblich erschweren:
„Die Staatsanwaltschaft wird argumentieren, dass diese Kinder ohne die Fahrlässigkeit des Vaters noch leben würden. Das ist eine extrem schwere Hürde für jede Verteidigung.“

Entscheidend dürfte sein, welche Maßnahmen Colin Gray ergriffen habe – etwa zur sicheren Aufbewahrung der Waffen oder zur Unterstützung der psychischen Gesundheit seines Sohnes.

Haft und weiterer Verlauf

Colin Gray sitzt seit dem Tag nach der Tat in Untersuchungshaft. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 30 Jahre Haft pro Mordanklage sowie weitere Haftstrafen wegen Totschlags.

Der Prozess beginnt am Montag mit der Auswahl der Geschworenen und soll etwa drei Wochen dauern.

Colt Gray selbst ist inzwischen wegen 55 Verbrechen, darunter vierfachen Mordes mit Vorsatz, angeklagt und soll als Erwachsener vor Gericht gestellt werden. Er hat ebenfalls auf nicht schuldig plädiert; ein Verhandlungstermin steht noch nicht fest.

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