Ein (nicht ganz ernst gemeinter) Blick auf den Friedensplan-Poker mit Putin, Trump & Co.
Großes Friedensspektakel auf der Weltbühne: Laut Kiew sind sich die Ukraine und die USA „weitgehend einig“ über die wichtigsten Punkte eines neuen US-Friedensplans. Ja, wirklich – Einigung! Oder zumindest fast. Vielleicht. Unter gewissen Bedingungen. Und auch nur, solange keiner die Fußnoten liest.
Der ukrainische Sicherheitsratschef Rustem Umjerow verkündete via Facebook stolz, man habe sich mit den Amerikanern „über die wichtigsten Bestimmungen geeinigt“. Noch diese Woche soll Präsident Selenskyj mit Donald Trump persönlich sprechen. (Vermutlich ohne Handschlag, aber mit Dolmetscher – für diplomatische Zwischentöne.)
Der Plan? Ursprünglich ein 28-Punkte-Papier aus Washington, von Kritikern liebevoll als „Putins Wunschzettel“ bezeichnet. Darin: Keine NATO-Mitgliedschaft für die Ukraine, Begrenzung der Armee auf 600.000 Soldaten, Donbas teils an Russland, Neuwahlen in 100 Tagen. Ach ja – und vermutlich gratis Wodka für alle.
Doch die Ukraine und Europa haben nachverhandelt. Ergebnis: Einige problematische Klauseln sollen „geändert oder auf Eis gelegt“ werden – was ungefähr so konkret ist wie „Wir schauen mal“. Das Weiße Haus spricht diplomatisch von „heiklen, aber nicht unüberwindbaren Punkten“. Klingt wie eine Eheberatung kurz vor der Trennung.
Russland wartet derweil gespannt auf die „zweite Version“ des Plans. Außenminister Lawrow betonte, alles müsse dem „Geist und Buchstaben“ des Trump-Putin-Gipfels in Alaska entsprechen. Ja, Alaska. Friedensverhandlungen bei Rentieren und Elchen – warum nicht?
Parallel wurde in Abu Dhabi ebenfalls verhandelt: US-Vertreter trafen eine russische Delegation. Ergebnis: Gespräche verliefen „gut“. Details? Natürlich streng geheim. Vielleicht gab’s Tee und Smalltalk, vielleicht einen Deal. Vielleicht auch nur WLAN-Probleme.
Frankreichs Präsident Macron nannte den Plan eine „Chance auf Fortschritt“ – mit „robusten Sicherheitsgarantien, die nicht nur auf dem Papier stehen“. So robust wie ein nasser Pappkarton, fragt man sich?
Und Europa? Schaut zu. Laut Lawrow habe der Westen seine Chance verspielt. Vermittler der Stunde: Türkei, Ungarn, Belarus – und natürlich die USA. Europa, einstiger Friedensnobelpreisträger, darf demnächst vielleicht wieder mitspielen, aber erst nachsitzen.
Während all das diskutiert wird, regnet es Raketen: Russland greift Kiew an, die Ukraine schlägt mit Drohnen zurück. Die traurige Bilanz: Tote und Verletzte auf beiden Seiten. Während also Diplomaten eifrig an Friedenspapieren feilen, herrscht auf dem Boden der Realität – Krieg.
Fazit: Frieden ist in Sicht. Irgendwo. Vielleicht. Vorausgesetzt, niemand liest das Kleingedruckte.
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