Die US-Einwanderungsbehörde ICE treibt den Ausbau ihrer Haftkapazitäten mit Hochdruck voran – und setzt dabei auf ein umstrittenes Konzept: ehemalige Lagerhallen sollen in großem Stil zu Haftzentren für Migranten umgebaut werden.
Nach internen Dokumenten plant die Behörde, landesweit 24 kommerzielle Lagerhallen zu erwerben und umzurüsten. Ziel ist es, die Kapazitäten innerhalb weniger Monate auf über 92.000 Haftplätze zu erhöhen.
Einige der geplanten Einrichtungen sind gigantisch: Die größten sogenannten „Mega-Zentren“ sollen zwischen 7.000 und 10.000 Menschen aufnehmen und als zentrale Drehscheiben für Abschiebungen dienen. Zusätzlich sind kleinere Einrichtungen vorgesehen, in denen jeweils rund 1.500 Personen für mehrere Tage festgehalten werden.
Widerstand vor Ort wächst
Doch die Pläne stoßen vielerorts auf Widerstand. In mehreren Gemeinden wurden Projekte nach Protesten gestoppt oder verzögert – teils durch politischen Druck, teils durch gerichtliche Entscheidungen.
Kritik kommt dabei nicht nur von Bürgerinitiativen, sondern auch von lokalen Politikern – auch aus republikanischen Reihen. Sie warnen vor massiven Belastungen für Infrastruktur wie Wasser- und Abwassersysteme, insbesondere in ländlichen Regionen. Zudem beklagen viele Kommunen, dass sie vorab nicht eingebunden wurden.
Einige geplante Standorte wurden bereits gestoppt: In Pennsylvania untersagte ein Gericht vorläufig den Bau, da Umweltauflagen offenbar nicht eingehalten wurden. In Georgia kappte eine Gemeinde sogar die Wasser- und Abwasserversorgung für ein geplantes Zentrum.
Zweifel an Eignung der Gebäude
Grundsätzliche Kritik richtet sich auch gegen die Nutzung von Lagerhallen als Haftorte. Experten und lokale Vertreter bezweifeln, dass Gebäude, die ursprünglich für Waren gedacht waren, überhaupt geeignet sind, Menschen unterzubringen – sowohl aus Sicherheits- als auch aus humanitären Gründen.
ICE weist die Vorwürfe zurück. Die Einrichtungen würden „strukturiert und regelkonform“ betrieben, man prüfe alle Standorte sorgfältig.
Milliardenprojekt mit offenem Ausgang
Die Dimension des Vorhabens ist enorm: Insgesamt sollen laut internen Planungen rund 38 Milliarden Dollar investiert werden. Bereits jetzt hat die Behörde mehr als eine Milliarde Dollar für den Kauf von Lagerhallen ausgegeben – teilweise deutlich über Marktpreis.
Ziel ist es, die ersten Einrichtungen noch im Frühjahr in Betrieb zu nehmen, viele weitere sollen bis Ende des Jahres folgen.
Doch angesichts wachsender politischer Widerstände, rechtlicher Hürden und logistischer Probleme ist unklar, ob der ambitionierte Zeitplan eingehalten werden kann.
Politisch brisantes Projekt
Das Vorhaben steht auch im Kontext einer verschärften Einwanderungspolitik. Die geplanten Großanlagen würden es ermöglichen, deutlich mehr Menschen gleichzeitig festzuhalten und schneller abzuschieben.
Gleichzeitig wächst die Kritik: Gegner sprechen von einer „Industrialisierung der Inhaftierung“ und warnen vor den gesellschaftlichen Folgen.
Ob die „Mega-Zentren“ tatsächlich Realität werden – oder an Widerstand und Gerichten scheitern – ist derzeit offen.
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