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US-Schiffbau in der Krise – Südkoreas Werften bieten Hilfe an

ambquinn (CC0), Pixabay
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Der US-Schiffbau steckt tief in der Krise. Hohe Kosten, jahrelange Verzögerungen und eine überlastete Industrie behindern den Ausbau der US-Marine, die sich im Wettrennen mit Chinas wachsender Flotte befindet. Jetzt bietet ausgerechnet Südkorea Hilfe an – und könnte zum Gamechanger werden.

Zwei der modernsten Werften der Welt, HD Hyundai Heavy Industries in Ulsan und Hanwha Ocean in Geoje, bauen bereits hochmoderne Kriegsschiffe für die südkoreanische Marine – pünktlich und im Budgetrahmen. Nun erklären die Unternehmen: Wir können auch der US-Navy helfen.

„Alle unsere Programme sind ein Chaos“, sagte US-Marine-Minister John Phelan im Juni vor dem Kongress. Selbst das „beste“ Projekt sei sechs Monate im Verzug und 57 Prozent über dem Budget. Besonders das neue Fregattenprogramm der Constellation-Klasse sei ein Desaster – geplante Bauzeiten wurden längst überschritten.

Warum sind Südkoreas Werften so effizient? Die Antwort liegt in einer Mischung aus Erfahrung, Infrastruktur und flexibler Produktion. Bei Hyundai liegt die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit der 32.000 Mitarbeitenden bei 16 Jahren. Zudem wechseln die Werften regelmäßig zwischen militärischen und zivilen Projekten, was Kontinuität sichert.

Auch die Logistik überzeugt: Rund 90 % der benötigten Teile für den Bau in Geoje stammen aus einem Umkreis von nur 50 Kilometern. So entstehen moderne Fregatten mit Luftabwehrsystemen, Torpedowerfern und Marschflugkörpern in nur drei Jahren – die Zeit, die in den USA allein durch Designänderungen verloren geht.

Donald Trump hatte bei einem Treffen mit Südkoreas Präsident Lee Jae Myung angekündigt, den US-Schiffbau „wieder groß machen“ zu wollen. Die Südkoreaner wittern Chancen – Hanwha investierte bereits in die Philly Shipyard in Pennsylvania und kündigte 5 Milliarden Dollar an Investitionen an. Ziel: Bau ziviler Schiffe und langfristig auch von Kriegsschiffen in den USA.

Doch rechtliche Hürden bleiben: US-Gesetze verbieten, dass Kriegsschiffe im Ausland gebaut oder ausländische Werften direkt beauftragt werden. Auch der jüngste Einwanderungsstreit um ein südkoreanisches Werk in Georgia zeigt, wie fragil die politische Lage ist.

Ein Modell für mögliche Zusammenarbeit könnte der jüngste US-Deal mit Finnland sein, wo vier Eisbrecher für die US-Küstenwache im Ausland gefertigt werden – sieben weitere folgen dann auf US-Boden.

US-Experte Sal Mercogliano sieht in südkoreanischer Hilfe „enormes Potenzial“ – zunächst für Hilfsschiffe, später vielleicht auch für Zerstörer und Fregatten. Hanwha-Manager Jeon Yu-su formuliert es noch klarer:

„Unser Ziel ist, Kriegsschiffe für die US Navy zu bauen – hier bei uns in Korea.“

Ob es dazu kommt, hängt letztlich vom Willen des US-Kongresses ab – und davon, wie groß der Reformdruck wirklich ist.

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