Die US-Notenbank (Federal Reserve) hat ihren Leitzins zum zweiten Mal in Folge gesenkt. Der Zinssatz liegt nun in einer Spanne von 3,75 % bis 4 % – das niedrigste Niveau seit 2022. Mit der Entscheidung reagiert die Fed auf Anzeichen einer abkühlenden Arbeitsmarktentwicklung und anhaltender Unsicherheiten über den Zustand der US-Wirtschaft.
Zinsentscheidung ohne vollständige Datengrundlage
Ein Novum: Aufgrund des aktuellen Regierungsstillstands fehlen zentrale Wirtschaftsdaten wie der Arbeitsmarktbericht für September, Inflationszahlen und Einzelhandelsumsätze. Dennoch traf die Fed ihre Entscheidung mit Verweis auf „verfügbare Indikatoren“. Dies geschah unter wachsendem Druck, die Wirtschaft zu stützen, ohne klare Informationen zur aktuellen Lage zu haben.
Geteilte Meinungen im Führungsgremium
Die Entscheidung fiel nicht einstimmig: Stephen Miran, von Präsident Trump neu ernannter Fed-Gouverneur, sprach sich für eine stärkere Senkung um 0,5 Prozentpunkte aus. Jeff Schmid, Präsident der Kansas City Fed, hingegen wollte gar keine Zinssenkung. Zwei völlig entgegengesetzte Meinungen – ein seltenes Bild im sonst konsensorientierten Gremium.
Ab Dezember: Ende der Bilanzverkleinerung
Neben der Zinssenkung kündigte die Fed auch das Ende der Bilanzverkleinerung zum 1. Dezember an. In den letzten drei Jahren hatte die Zentralbank ihr Portfolio von rund 9 Billionen Dollar auf etwa 6,6 Billionen reduziert – eine Maßnahme zur Rückführung der pandemiebedingten Stimuli.
Finanzmärkte reagieren positiv – Aktien steigen
Die Börsen reagierten verhalten optimistisch: Der Dow Jones stieg um 0,25 %, der Nasdaq legte um 0,5 % zu. Auch die Renditen für US-Staatsanleihen zogen leicht an. Investoren blicken nun gespannt auf kommende Ereignisse wie die Bilanzzahlen großer Tech-Konzerne und das Gipfeltreffen zwischen Trump und Xi Jinping in Südkorea.
Politischer Druck durch fehlende Daten
Senatorin Elizabeth Warren äußerte sich besorgt über die eingeschränkte Datengrundlage und kritisierte Präsident Trump für den Regierungsstillstand. „Ohne Daten können selbst die besten Entscheidungen zur Zinspolitik nur schwer getroffen werden“, sagte sie.
Ausblick: Weitere Zinsschritte unsicher
Ob weitere Zinssenkungen folgen, hängt laut Fed-Chef Jerome Powell stark davon ab, wie sich Inflation und Arbeitsmarkt entwickeln – sofern verlässliche Daten wieder zur Verfügung stehen.
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