Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat am 30. Juli ihren Leitzins erneut unverändert bei 4,25 % bis 4,5 % belassen – zum fünften Mal in Folge. Trotz zunehmenden politischen Drucks von Präsident Donald Trump und zwei republikanischen Fed-Gouverneuren gab die Fed keine klare Aussicht auf eine Zinssenkung im September.
Zwei Dissenting Votes – historischer Einspruch
Zum ersten Mal seit 1993 stimmten zwei Fed-Gouverneure – Christopher Waller und Michelle Bowman – gegen die Mehrheitsentscheidung und forderten eine Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte. Beide gelten als mögliche Nachfolger von Fed-Chef Jerome Powell, dessen Amtszeit im Mai ausläuft.
Warum zögert die Fed?
Die Fed steht zwischen ihren beiden Mandaten: Vollbeschäftigung und Preisstabilität.
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Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,1 %, nahe am Ziel.
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Die Inflation liegt bei 2,7 %, noch über dem Ziel von 2 %.
Zwar hat sich das Wirtschaftswachstum abgeschwächt, aber neue Zölle unter Trump treiben die Inflation wieder nach oben. Die Fed will daher abwarten, ob diese Effekte vorübergehend oder anhaltend sind.
Powell bleibt vorsichtig
Fed-Chef Jerome Powell sagte, es gebe „noch keine Entscheidung für September“. Man warte auf weitere Daten zu Inflation und Beschäftigung. Die nächste Zinsentscheidung ist am 17. September.
Powell betonte, dass man angesichts widersprüchlicher Risiken – Inflation vs. Konjunkturabkühlung – einen „moderat restriktiven Kurs“ beibehalte.
Trump übt massiven Druck aus
Trump drängt öffentlich auf rasche Zinssenkungen, um die Wirtschaft zu stützen, und kritisierte Powell als „zu langsam“. Ein Besuch Trumps bei der Fed am 24. Juli sorgte für Aufsehen, doch Powell beschrieb das Treffen als „gute Visite“.
Trump erklärte, wenn die Inflation wieder ansteige, könne man die Zinsen erneut anheben: „Man senkt sie, und wenn’s nötig ist, hebt man sie wieder.“
Märkte reagieren nervös
Die Aktienmärkte reagierten gemischt:
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Der S&P 500 fiel leicht um 0,1 %
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Der Dow Jones verlor 0,4 %
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Der Nasdaq stieg um 0,2 %
Viele Analysten erwarten dennoch eine erste Zinssenkung im September oder Dezember, abhängig von der Konjunkturentwicklung.
Ausblick: Tarife und Unsicherheit
Trumps Zölle könnten die Inflation kurzfristig steigen lassen – oder längerfristige Risiken bergen. Laut Fed besteht noch große Unsicherheit, wie stark die Unternehmen diese Kosten an Verbraucher weitergeben.
Gleichzeitig befürchten viele Ökonomen, dass vorzeitige Zinssenkungen die Inflation erneut anheizen könnten.
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