Der Gründer einer texanischen Megakirche, Robert Morris, hat sich am 2. Oktober in einem Gericht in Oklahoma schuldig bekannt, über Jahre hinweg ein Mädchen sexuell missbraucht zu haben.
Der 64-Jährige gestand fünf Fälle von „unsittlichen Handlungen an einem Kind“. Ein Richter akzeptierte den Deal: Morris muss sechs Monate ins Gefängnis, danach folgt eine neunjährige Bewährungszeit. Außerdem wird er als Sexualstraftäter registriert und muss seiner inzwischen erwachsenen Betroffenen, Cindy Clemishire, 270.000 US-Dollar Entschädigung zahlen.
„Ein Pädophiler im Gewand eines Predigers“
Clemishire, die vor Gericht ihre Opfererklärung abgab, war damals elf Jahre alt, als die Übergriffe 1982 begannen. Sie beschrieb den Angeklagten als „Pädophilen, getarnt als Prediger“. Über mehr als vier Jahre sei sie missbraucht worden – während Morris gleichzeitig eine Kirchengemeinde aufbaute, Bücher veröffentlichte und national bekannt wurde.
„Während Sie Karriere machten und berühmt wurden, kämpfte ich mit Depressionen, verlor mein Selbstwertgefühl und mein Leben geriet aus den Fugen“, sagte Clemishire mit tränenerstickter Stimme im Gerichtssaal.
Kein Entschuldigung von Morris
Morris selbst schwieg bei der Urteilsverkündung und bat die Betroffene nicht persönlich um Verzeihung. Sein Anwalt erklärte jedoch, der Ex-Pastor bedauere sein Verhalten und bitte die Familie um Vergebung.
Hintergrund des Falls
Clemishire hatte vor einigen Jahren den Mut gefasst, öffentlich über die Taten zu sprechen, unter anderem in einem Blog über Missbrauchsfälle in Kirchen. Sie hoffte, damit auch anderen Opfern Mut zu machen.
Die Missbrauchsfälle ereigneten sich in Oklahoma und Texas. Damals war Morris ein junger reisender Prediger, der mit seiner Frau in Gastfamilien wohnte. In diesem Umfeld nutzte er die Gelegenheit, das Kind zu missbrauchen – und drohte ihr, niemandem etwas zu sagen.
Vom Prediger zum Berater Trumps
Morris gründete 2000 die Gateway Church in Texas, die heute zu den größten US-Gemeinden zählt. Er trat in Radio- und Fernsehsendungen auf, veröffentlichte Bücher und saß 2016 sogar im geistlichen Beraterkreis von Donald Trump. Erst 2024 trat er nach Bekanntwerden der Vorwürfe zurück.
Zivilklage läuft noch
Neben dem Strafverfahren läuft gegen Morris eine Zivilklage. Darin wirft die Betroffene ihm und Kirchenfunktionären vor, die Taten über Jahre vertuscht und das Geschehen verharmlost zu haben – etwa indem von einer „außerehelichen Affäre“ die Rede war.
„Diese Schuldumkehr hat mein Leiden nur noch größer gemacht“, sagte Clemishire.
👉 Hintergrund: Missbrauchsfälle in Kirchen sind kein Einzelfall – immer wieder werden Fälle bekannt, in denen religiöse Autoritätspersonen ihr Vertrauen missbrauchen. Opferorganisationen raten Betroffenen, sich nicht einschüchtern zu lassen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
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