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US-Justiz erhebt Anklage: Schmuggel von KI-Chips nach China geplant

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
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Die US-Justiz geht gegen ein mutmaßliches Netzwerk vor, das Hochleistungschips für Künstliche Intelligenz illegal nach China geliefert haben soll. Drei Personen mit Verbindungen zu einem amerikanischen Technologiezulieferer sind angeklagt, Exportkontrollen umgangen und milliardenschwere Geschäfte vorbereitet zu haben.

Nach Angaben des US-Justizministeriums sollen die Beschuldigten versucht haben, amerikanische Halbleiter – darunter begehrte KI-Chips des Herstellers Nvidia – über Umwege nach China zu bringen. Diese unterliegen strengen Exportbeschränkungen, da sie als sicherheitsrelevant gelten.

Festgenommen wurden der US-Staatsbürger Yih-Shyan „Wally“ Liaw sowie der taiwanische Staatsbürger Ting-Wei „Willy“ Sun. Ein weiterer Verdächtiger, Ruei-Tsang „Steven“ Chang, ebenfalls aus Taiwan, ist weiterhin auf der Flucht.

Die Ermittler werfen dem Trio vor, gemeinsam mit einem Unternehmen in Südostasien ein System aufgebaut zu haben, um die Herkunft und den Verbleib der Technologie zu verschleiern. Demnach bestellte die Firma offiziell Server, die mit den kontrollierten Chips ausgestattet waren. In den Unterlagen wurde sie als Endnutzer ausgewiesen – tatsächlich sollen die Geräte jedoch für chinesische Abnehmer bestimmt gewesen sein.

Um Kontrollen zu umgehen, sollen die Beschuldigten aufwändige Täuschungsmanöver eingesetzt haben. Laut Anklage wurden tausende sogenannte Dummy-Server verwendet – Attrappen, die den echten Geräten täuschend ähnlich sahen. Während diese bei Audits vorgezeigt wurden, seien die Originalgeräte längst weitertransportiert worden.

Zusätzlich sollen Server umverpackt und ohne erkennbare Kennzeichnung verschifft worden sein. In einem besonders kuriosen Detail heißt es, ein Beteiligter habe mit Föhnluft Seriennummern und Etiketten entfernt und neu angebracht, um die Spur der Geräte zu verwischen.

Insgesamt geht es laut Justizministerium um Lieferungen im Wert von rund 2,5 Milliarden Dollar. Eine Exportgenehmigung für die betroffenen Produkte habe zu keinem Zeitpunkt vorgelegen.

Der Fall berührt einen zentralen Konflikt der globalen Technologiepolitik: Die USA versuchen seit Jahren, China den Zugang zu leistungsstarken KI-Chips zu erschweren, um militärische und wirtschaftliche Vorteile zu sichern. Nvidia gilt dabei als Schlüsselunternehmen, dessen Produkte in der Branche nahezu unverzichtbar sind.

Das betroffene Unternehmen Super Micro Computer, ein US-Hersteller von Servern, erklärte, man kooperiere mit den Behörden. Die drei Beschuldigten seien zwar mit der Firma verbunden gewesen, sie selbst sei jedoch nicht angeklagt. Zwei der Personen wurden beurlaubt, die Zusammenarbeit mit dem dritten beendet.

Parallel ermittelt die US-Justiz in einem weiteren Fall gegen zwei chinesische Staatsbürger, die ebenfalls beschuldigt werden, Nvidia-Chips über Drittstaaten wie Malaysia und Singapur nach China geschleust zu haben.

Die Verfahren zeigen, wie groß der Aufwand ist, mit dem Exportkontrollen umgangen werden – und wie zentral die Kontrolle über Schlüsseltechnologien im geopolitischen Wettbewerb geworden ist.

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