US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hat am 29. Oktober erklärt, es gebe „nicht genügend Beweise“ für einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Schmerzmittel Tylenol und Autismus bei Kindern. Dennoch sprach er sich für eine vorsichtige Anwendung während der Schwangerschaft aus.
„Die verfügbaren Studien zeigen keine eindeutige Verursachung. Aber die Hinweise sind suggestiv genug, um zur Vorsicht zu mahnen“, sagte Kennedy gegenüber Reportern.
Die Aussagen kommen wenige Tage nach einer Klage des Bundesstaates Texas gegen den Tylenol-Hersteller Kenvue. Der Konzern, ehemals Teil von Johnson & Johnson, wird beschuldigt, Gesundheitsrisiken verschwiegen zu haben. Tylenol enthält den Wirkstoff Acetaminophen (auch bekannt als Paracetamol) und wird seit Jahrzehnten millionenfach verkauft.
Politischer Druck ohne wissenschaftliche Beweise
Präsident Donald Trump hatte bereits im September öffentlich vor der Einnahme von Tylenol während der Schwangerschaft gewarnt – ohne sich dabei auf belastbare wissenschaftliche Studien zu stützen. Bei einer Pressekonferenz sagte er wiederholt: „Nehmt kein Tylenol. Kämpft mit aller Macht dagegen, es zu nehmen.“
Auch Kennedy trat bei der Veranstaltung auf. Er räumte damals ein, dass es bislang keinen klaren Beweis für einen Zusammenhang gebe, betonte aber: „Wer das Zeug während der Schwangerschaft nimmt, obwohl es nicht notwendig ist, handelt verantwortungslos.“
Medizinische Reaktionen und FDA-Ankündigung
Die US-Arzneimittelbehörde FDA kündigte am selben Tag an, ein Verfahren zur Überprüfung und möglichen Änderung der Warnhinweise auf Acetaminophen-Produkten einzuleiten. Die Behörde verwies dabei auf widersprüchliche Studien: Einige zeigten einen möglichen Zusammenhang mit neuroentwicklungsbedingten Störungen, andere hingegen nicht.
Viele Mediziner kritisieren die Aussagen von Trump und Kennedy. Sie warnen davor, dass solche unbewiesenen Behauptungen Schwangere verunsichern und dazu führen könnten, dass Fieber unbehandelt bleibt – was ebenfalls Gefahren für Mutter und Kind birgt.
Kenvue selbst wies die Vorwürfe entschieden zurück und forderte die FDA auf, keine Autismushinweise in die Verpackungsbeilage aufzunehmen. In einer Stellungnahme hieß es: „Wir stimmen mit Minister Kennedy überein, dass Schwangere ihren Arzt konsultieren sollten. Wir betonen jedoch, dass es keine wissenschaftlich gesicherte Verbindung zwischen der Einnahme von Acetaminophen und Autismus gibt.“
Die Aktien des Unternehmens fielen am 29. Oktober um 1,4 Prozent.
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