Ein strategischer US-Bomber ist auf dem britischen Luftwaffenstützpunkt RAF Fairford in Gloucestershire gelandet. Die Maschine des Typs B-1 Lancer, die bis zu 24 Marschflugkörper transportieren kann, traf am Freitagabend ein. Zuvor hatte der britische Premierminister Keir Starmer den USA erlaubt, von britischen Stützpunkten aus „defensive“ Angriffe auf iranische Raketenstellungen zu unterstützen.
Starmer hatte eine solche Genehmigung zunächst verweigert, was zu Spannungen mit US-Präsident Donald Trump geführt hatte. Trump erklärte später, er sei „nicht zufrieden“ mit der britischen Haltung gewesen, da US-Flugzeuge wegen der fehlenden Erlaubnis deutlich längere Flugzeiten in Kauf nehmen mussten.
Die Entscheidung Londons fiel kurz nachdem US-Verteidigungsminister Pete Hegseth angekündigt hatte, die Angriffe auf iranische Ziele würden „dramatisch zunehmen“.
Der 146 Fuß (44,5 Meter) lange B-1 Lancer gilt als einer der leistungsfähigsten Bomber der US-Luftwaffe. Das Flugzeug kann mehr als 34 Tonnen Waffen und Ausrüstung transportieren und erreicht laut Hersteller Boeing Geschwindigkeiten von über 900 Meilen pro Stunde (rund 1.450 km/h). Der Bomber verfügt über moderne Radar- und GPS-Systeme sowie elektronische Störsender und Täuschsysteme zum Schutz vor gegnerischer Luftabwehr. Wegen seiner Bezeichnung „B-1“ trägt er den Spitznamen „Bone“.
Militärexperte und ehemaliger britischer Offizier Justin Crump bezeichnete den B-1 Lancer als einen der bedeutendsten Bomber weltweit. Der Einsatz von RAF Fairford aus sei für die USA effizienter, da der direkte Flug von amerikanischen Basen bis zum Einsatzgebiet im Nahen Osten sehr lang sei.
Der Krieg zwischen Israel, den USA und dem Iran befindet sich inzwischen in der zweiten Woche. In der Nacht erschütterten erneut Explosionen die iranische Hauptstadt Teheran, nachdem Trump erklärt hatte, es werde keine Verhandlungen mit dem Iran geben – außer einer „bedingungslosen Kapitulation“.
Auch Großbritannien steht wegen seiner Rolle im Konflikt unter Druck. Kritik gab es unter anderem nach einem Drohnenangriff auf den britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri auf Zypern. Laut Regierung verursachte der Angriff jedoch nur geringe Schäden und es gab keine Verletzten.
Zur Verstärkung der militärischen Präsenz will Großbritannien zudem den Zerstörer HMS Dragon ins östliche Mittelmeer entsenden. Das Kriegsschiff mit Luftabwehrfähigkeiten soll in der kommenden Woche Richtung Zypern auslaufen. Zusätzlich werden zwei Marinehubschrauber vom Typ Wildcat früher in der Region erwartet.
Die konservative Oppositionsführerin Kemi Badenoch kritisierte die Maßnahmen als unzureichend. Ihrer Ansicht nach müsse Großbritannien stärker eingreifen und iranische Raketenstellungen direkt angreifen.
Angesichts der angespannten Lage in der Region sprach Premierminister Starmer am Freitag auch mit Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman. Er sicherte dem Königreich Unterstützung bei der Verteidigung zu. Nach Angaben der britischen Regierung werden zusätzliche Kampfflugzeuge, Hubschrauber und ein Kriegsschiff in die Region verlegt.
Der Konflikt wirkt sich auch auf den zivilen Flugverkehr aus. In der vergangenen Woche wurden tausende Flüge gestrichen, wodurch viele Reisende festsaßen. Die britische Regierung organisierte inzwischen mehrere Rückholflüge für Staatsbürger aus der Region. Ein zweites Charterflugzeug mit britischen Passagieren landete in der Nacht auf Samstag am Flughafen Gatwick.
Einige Fluggesellschaften – darunter Etihad und Emirates – planen in den kommenden Tagen zumindest eingeschränkte Flugverbindungen zwischen dem Nahen Osten und Großbritannien aufrechtzuerhalten.
Kommentar hinterlassen