Nach einem monatelangen Höhenflug zeigen sich die US-Aktienmärkte zunehmend nervös. Erneute Spannungen zwischen den USA und China lassen Anlegerinnen und Anleger zweifeln, ob der starke Börsenaufschwung der vergangenen Monate anhalten kann.
Der S&P 500 hat seit April beeindruckende 33 % zugelegt, doch zuletzt gab es deutliche Rücksetzer. Am Dienstag schloss der Dow Jones trotz zwischenzeitlichem Minus von über 600 Punkten mit einem Plus von 0,44 % (203 Punkte). Der S&P 500 fiel leicht um 0,16 %, während der technologieorientierte Nasdaq um 0,72 % nachgab.
Handelskonflikt flammt wieder auf
Auslöser der Verunsicherung ist die Rückkehr eines bekannten Problems: der US-chinesische Handelskonflikt. Seit Anfang Oktober überziehen sich Washington und Peking wieder mit gegenseitigen Maßnahmen:
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China führte neue Exportkontrollen für Seltene Erden ein.
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Donald Trump drohte mit einem 100 % Strafzoll auf bestimmte chinesische Importe.
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Am Dienstag verkündete Peking Sanktionen gegen fünf US-Tochterfirmen des südkoreanischen Schiffbaukonzerns Hanwha Ocean.
Trump warf China zudem via Truth Social vor, durch das Vermeiden von Sojabohnenkäufen eine „wirtschaftlich feindliche Handlung“ zu begehen.
VIX zeigt steigende Nervosität
Die Nervosität an den Märkten spiegelt sich im sogenannten Volatilitätsindex (VIX) wider – dem „Angstbarometer“ der Wall Street. Der VIX sprang am Freitag um 31 % nach oben, der stärkste Tagesanstieg seit April. Am Dienstag stieg er erneut um 9 %, nachdem er im Tagesverlauf zwischenzeitlich um 20 % geklettert war.
„Der VIX ist der Pulsschlag des Markts“, sagte Sam Stovall, Chefstratege bei CFRA Research. „Und aktuell schlägt er schneller.“
Tech-Sektor besonders betroffen – Nvidia im Fokus
Besonders empfindlich reagieren derzeit Technologie- und Chipwerte, die stark von China abhängig sind – sowohl im Absatz als auch in der Lieferkette.
Nvidia, aktuell das größte Unternehmen im S&P 500, verlor am Dienstag 4,4 %. Die Aktien stehen exemplarisch für die Unsicherheit: Einerseits beflügelt der KI-Boom die Branche, andererseits droht durch den Handelsstreit eine Unterbrechung der Lieferketten.
„Die aktuelle Lage spricht für kurzfristige Volatilität im Tech-Sektor“, sagte Ulrike Hoffmann-Burchardi von der UBS.
Anleger flüchten in sichere Häfen
Während Tech-Werte fallen, steigen sogenannte sichere Anlagen wie Gold und Silber – ein klares Zeichen, dass sich viele Investoren gegen geopolitische Risiken absichern.
Wie geht es weiter?
Trotz der Rücksetzer zeigen sich viele Analysten weiter vorsichtig optimistisch. Starke Unternehmensgewinne und die Aussicht auf Zinssenkungen durch die US-Notenbank geben der Börse Rückhalt.
Zwar sind die Aktien historisch teuer, und einige Beobachter warnen vor einer möglichen KI-Blase, doch andere sehen die Kursrückgänge als Kaufgelegenheit.
„Wir hoffen weiterhin auf eine verhandelte Lösung zwischen den USA und China“, so Hoffmann-Burchardi.
Die nächste wichtige Wegmarke ist das erwartete Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping beim APEC-Gipfel in Südkorea Ende Oktober. Ob dort Annäherung oder Eskalation folgt, dürfte entscheidend für die weitere Entwicklung an den Märkten sein.
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