Urlauber, die in den vergangenen Jahren online nach einem Rückzugsort nahe Puerto Vallarta suchten, könnten auf das Resort Kovay Gardens gestoßen sein – eine Anlage mit 22 Zimmern, Privatstrand und vier Pools direkt am Pazifik.
Doch nach Angaben US-amerikanischer Behörden soll das Strandresort Teil eines betrügerischen Timesharing-Netzwerks gewesen sein, das dem Kartell Jalisco Nueva Generación (CJNG) zugutekam. Dessen Anführer, Nemesio Rubén Oseguera Cervantes, bekannt als „El Mencho“, wurde am 22. Februar nahe Guadalajara bei einem Militäreinsatz getötet.
Das Office of Foreign Assets Control (OFAC) des US-Finanzministeriums verhängte Sanktionen gegen Kovay Gardens sowie gegen fünf mexikanische Staatsbürger und 17 Unternehmen, die mit dem Netzwerk in Verbindung stehen sollen. Die Behörden geben an, dass insbesondere ältere US-Amerikaner gezielt ins Visier genommen wurden.
Touristenregion als strategischer Standort
Viele der sanktionierten Personen und Firmen haben ihren Sitz in oder nahe Puerto Vallarta, einem beliebten Urlaubsziel, das laut US-Behörden zugleich als strategischer Knotenpunkt für das gewalttätige Kartell dient. Das US-Außenministerium hatte das CJNG im vergangenen Jahr wegen seiner Rolle im internationalen Drogenhandel als ausländische Terrororganisation eingestuft.
Unter den Sanktionierten befinden sich auch der Gründer des Resorts, Carlos Humberto Rivera Miramontes, sowie ein Netzwerk aus 13 Unternehmen. Zudem sollen mehrere Personen Callcenter betrieben haben, über die mutmaßlich der Timesharing-Betrug abgewickelt wurde.
Auswirkungen der Sanktionen
Die Sanktionen führen dazu, dass Vermögenswerte von Kovay Gardens, die sich im Besitz von US-Personen befinden, eingefroren werden. Amerikanische Eigentümer müssen ihre Beteiligungen melden und dürfen keine Geschäfte mehr im Zusammenhang mit der Anlage tätigen. Zudem ist es US-Bürgern untersagt, Immobilien des Resorts zu kaufen oder zu mieten, solange die Sanktionen gelten. Verstöße können zivil- und strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Telefonische Anfragen von USA TODAY beim Resort blieben erfolglos. Auf der Website des Hotels sind keine Buchungen mehr möglich – der Kalender zeigt bis Januar 2028 keine Verfügbarkeit. Auch auf gängigen Reiseportalen ist das Resort zwar gelistet, aber nicht buchbar.
Kartell verdiente auch mit Betrug statt nur mit Drogen
Nach Angaben der US-Behörden verdeutlichen die Sanktionen, dass sich die Einnahmequellen des Kartells nicht auf Drogenhandel beschränkten. Auch Timesharing-Betrug und Treibstoffdiebstahl hätten erhebliche Gewinne generiert.
„Terroristische Drogenkartelle wie das CJNG schädigen amerikanische Bürger konsequent aus Profitgier“, erklärte US-Finanzminister Scott Bessent.
Über Jahrzehnte hinweg hätten mexikanische Kartelle US-Bürger mit Timesharing-Betrug um Hunderte Millionen Dollar gebracht. Häufig seien englischsprachige Callcenter eingesetzt worden, um potenzielle Opfer gezielt anzusprechen.
So funktionierte das mutmaßliche Betrugssystem
Laut Finanzministerium übernahm das CJNG um 2012 die Kontrolle über Timesharing-Betrugsmodelle im Raum Puerto Vallarta. Teilweise liefen die Betrugsmaschen über Jahre und führten bei den Betroffenen zu erheblichen finanziellen und emotionalen Schäden.
Am Standort Kovay Gardens soll das System folgendermaßen funktioniert haben:
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Automatisierte Anrufe (Robocalls) lockten potenzielle Käufer zu Präsentationen.
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Dort kamen aggressive und irreführende Verkaufsmethoden zum Einsatz.
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Kreditkarten wurden systematisch überhöht belastet.
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Kundendatenbanken wurden an weitere Betrugsnetzwerke weitergegeben.
In sogenannten Weiterverkaufs- oder Investitionsbetrugsfällen sollten Opfer vorab Gebühren oder Steuern zahlen, um angeblich ausstehende Gelder zu erhalten – die jedoch nie ausgezahlt wurden.
Oft folgten weitere Betrugsversuche: Täter gaben sich als Anwälte aus, die gegen Gebühr bei der Rückforderung helfen wollten, oder als Regierungsvertreter, die angebliche Strafzahlungen verlangten.
Das Finanzministerium bezeichnete das Modell als „vertikal integriertes Betrugssystem“, das es dem Kartell ermögliche, Timesharing-Kunden wiederholt auszunutzen.
Millionenverluste für US-Bürger
Zwischen 2019 und 2023 meldeten rund 6.000 US-Amerikaner Verluste von nahezu 300 Millionen Dollar durch Timesharing-Betrug in Mexiko. Die tatsächliche Summe dürfte laut Behörden deutlich höher liegen, da viele Fälle aus Scham oder anderen Gründen nicht gemeldet würden.
Bereits 2024 hatte USA TODAY berichtet, dass das Kartell neben Puerto Vallarta auch große Teile des Timesharing-Marktes in Cancun kontrolliere.
Die Betrugsaktivitäten im Bundesstaat Nayarit sollen im Auftrag von Audias Flores Silva, einem regionalen Kommandeur des CJNG, organisiert worden sein. Das US-Außenministerium setzt fünf Millionen Dollar Belohnung für Hinweise aus, die zu seiner Festnahme oder Verurteilung führen.
Das CJNG kontrolliert weite Teile von Guadalajara sowie Gebiete in Jalisco, Colima und Michoacán und gilt als einer der mächtigsten Rivalen des Sinaloa-Kartells, dessen früherer Anführer Joaquín „El Chapo“ Guzmán eine lebenslange Haftstrafe verbüßt.
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