Während Tausende US-Soldaten angesichts des andauernden Regierungsstillstands mit ausbleibenden Gehaltszahlungen rechnen müssen, hat die US Army eine Spende in Höhe von rund 1 Million US-Dollar angenommen, um Reise- und Unterkunftskosten für hochrangige Offiziere zur Teilnahme an einer Konferenz in Washington, D.C. zu decken. Dies bestätigten mehrere US-Beamte gegenüber CNN.
Konferenz statt Kontoüberziehung
Die Mittel stammen von der Association of the United States Army (AUSA) – einer gemeinnützigen Organisation zur beruflichen Weiterentwicklung von Armeeangehörigen. Die Spende ermöglicht es dutzenden Führungskräften und deren Mitarbeitern, an der jährlichen AUSA-Konferenz teilzunehmen – einem bedeutenden Treffen von Armee-Führung, Industrievertretern und internationalen Partnern.
Der Sprecher der AUSA, Tom McCuin, äußerte sich nicht zur genauen Höhe der Spende, bestätigte jedoch, dass sie ausreiche, um „das geplante Kontingent der Army vollständig zu finanzieren“.
Professionelle Weiterbildung – aber zu welchem Preis?
Laut AUSA diene die Veranstaltung primär der professionellen Entwicklung. In Anbetracht der haushaltspolitischen Lage – und des eingefrorenen Bundesbudgets – hätte die Army andernfalls auf die Teilnahme verzichten müssen. AUSA springt seit 2013 regelmäßig mit sogenannten „Proffers“ ein, um zumindest einen Teil der Kosten zu übernehmen. Diesmal sei der Betrag jedoch deutlich höher als üblich.
Ein zweiter US-Beamter erklärte, Ziel der Reise sei insbesondere die Teilnahme am „Leader Solarium“ – einer exklusiven Veranstaltung für Bataillonskommandeure und Sergeant Majors. Dort präsentieren ausgewählte Führungskräfte strategische Lösungsansätze für aktuelle Herausforderungen – mit offenem Ausgang. „Ich kann Ihnen nicht ein einziges konkretes Ergebnis nennen“, sagte der Beamte sarkastisch.
Missverhältnis zu realen Härten
Die Symbolik ist jedoch brisant: Während hochrangige Offiziere First-Class zur Konferenz fliegen, stehen einfache Soldaten bei der Tafel an. Nationalgardisten in Städten wie Los Angeles, Chicago oder Washington, sowie weltweit stationierte Kräfte, werden am 15. Oktober voraussichtlich keine Gehaltszahlung erhalten. Einige Militärfamilien hätten laut CNN bereits lokale Lebensmittelausgaben aufgesucht, um sich auf eine längere finanzielle Durststrecke vorzubereiten.
Ein Army-Offizieller kommentierte die Lage emotional:
„Es ist verheerend, dass unsere Truppen finanzielle Not leiden – besonders die Jüngeren, die keine Rücklagen haben.“
Gleichzeitig betonte er, wie wichtig es sei, „mit der Industrie im Gespräch zu bleiben und der amerikanischen Öffentlichkeit zu zeigen, welch großartige Arbeit unsere Soldaten leisten“. Doch er räumte ein:
„Es sieht einfach nicht gut aus, wenn das ganze Heer kurz vor einem oder mehreren ausfallenden Zahltagen steht – und wir schicken unsere Chefs auf eine PR-Konferenz in D.C.“
Fazit
Die Teilnahme an der AUSA-Konferenz wird mit einer „Berufsförderung“ begründet – und mit gespendetem Geld finanziert. Gleichzeitig müssen einfache Soldaten mit dem finanziellen Überlebenskampf rechnen. Der Kontrast zwischen den wirtschaftlichen Realitäten der Truppe und der öffentlichkeitswirksamen Selbstdarstellung der Armeeführung könnte in den kommenden Tagen für massiven politischen und gesellschaftlichen Unmut sorgen.
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