Startseite Allgemeines Unermüdlich mit 80: Lula kündigt vierte Amtszeit an – „Ich habe noch die Energie eines 30-Jährigen“
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Unermüdlich mit 80: Lula kündigt vierte Amtszeit an – „Ich habe noch die Energie eines 30-Jährigen“

Kaufdex (CC0), Pixabay
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Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat erneut bewiesen, dass er keiner ist, der leise abtritt. Trotz seines fortgeschrittenen Alters und einer jahrzehntelangen politischen Laufbahn kündigte der 79-Jährige an, bei der nächsten Präsidentschaftswahl im Jahr 2026 wieder anzutreten.

Während eines Besuchs in Indonesien erklärte der charismatische Staatschef:

„Ich werde bald 80 Jahre alt, aber ich habe noch die gleiche Energie wie mit 30.“
„Ich werde mich um eine vierte Amtszeit in Brasilien bemühen.“

Mit diesen Worten hat Lula nicht nur seine politischen Gegner aufgeschreckt, sondern auch eine neue Debatte über Macht, Alter und Erneuerung in Brasiliens Politik ausgelöst.

Ein Präsident, der nicht loslässt

Lula da Silva, der Sohn eines verarmten Bauern aus dem Nordosten Brasiliens, wurde über Jahrzehnte hinweg zur Symbolfigur der brasilianischen Arbeiterbewegung. Seine erste Amtszeit von 2003 bis 2011 galt als goldenes Jahrzehnt: Brasilien erlebte ein starkes Wirtschaftswachstum, Millionen Menschen wurden aus der Armut geholt, und das Land gewann internationales Gewicht.

Doch der Glanz verblasste – Korruptionsskandale, politische Intrigen und eine tiefe Wirtschaftskrise überschatteten sein Erbe. Nach einer Verurteilung wegen Korruption und Geldwäsche verbrachte Lula sogar 580 Tage im Gefängnis, bis das Oberste Gericht die Urteile wegen formaler Fehler aufhob.

Im Jahr 2023 kehrte er als politischer Phönix zurück – nach einem hitzigen Wahlkampf gegen den rechtsextremen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro. Nun, kaum zwei Jahre später, kündigt er seine nächste Kandidatur an.

Zwischen Vision und Realismus

Lula will nach eigenen Worten „das Land weiter einen und soziale Gerechtigkeit vertiefen“. In seiner aktuellen Amtszeit konzentriert er sich auf Armutsbekämpfung, Umweltschutz im Amazonasgebiet und internationale Diplomatie – Themen, die sein globales Ansehen festigen sollen.

Gleichzeitig kämpft seine Regierung mit wirtschaftlichen Herausforderungen, einem gespaltenen Parlament und wachsender Kritik an der Inflation. Beobachter sehen in seiner erneuten Kandidatur daher mehr Risiko als Chance.

„Lula ist der erfahrenste Politiker Lateinamerikas, aber er steht auch für die Vergangenheit“, sagt der Politologe Maurício Santoro aus Rio de Janeiro. „Er glaubt, nur er könne Brasilien stabilisieren – doch viele Brasilianer wünschen sich endlich einen Generationenwechsel.“

Die politische Bühne polarisiert sich erneut

Lulas Ankündigung dürfte den politischen Kampf in Brasilien neu entfachen. Seine Arbeiterpartei (PT) unterstützt ihn geschlossen, doch die Opposition bereitet sich auf eine erbitterte Wahlauseinandersetzung vor.

Die rechte Bewegung um Bolsonaro, der seine politische Rückkehr bereits andeutet, sieht in Lulas Plänen den Versuch, die Macht dauerhaft in den Händen der Linken zu halten.

Zudem könnte Lulas Alter ein zentrales Wahlkampfthema werden: Wenn er 2026 tatsächlich antritt, wäre er bei Amtsantritt über 81 Jahre alt – älter als jeder brasilianische Präsident zuvor.

„Er ist ein politischer Überlebenskünstler“

Trotz aller Kontroversen bleibt Lula eine Ausnahmeerscheinung in der Weltpolitik. Seine Popularität, sein Charisma und sein direkter Draht zu den Menschen machen ihn nach wie vor zu einer der stärksten Stimmen Lateinamerikas.

„Er ist ein politischer Überlebenskünstler“, sagt Analystin Fernanda Magalhães. „Kaum jemand versteht es so gut wie Lula, Krisen in Energie und Niederlagen in Motivation zu verwandeln.“

Doch die Frage bleibt: Kann ein Mann, der Brasilien bereits dreimal geführt hat, das Land ein viertes Mal reformieren – oder läuft er Gefahr, sein Vermächtnis selbst zu überschatten?

Ein Präsident zwischen Mythos und Realität

Lula selbst gibt sich unbeirrt. Für ihn ist Politik keine Karriere, sondern Lebensaufgabe. Seine Anhänger feiern ihn als Kämpfer für Gerechtigkeit, seine Kritiker sehen in ihm einen Machtmenschen, der nicht loslassen kann.

Eines aber ist sicher:
Wenn Lula 2026 tatsächlich antritt, wird Brasilien den vielleicht emotionalsten Wahlkampf seiner Geschichte erleben – zwischen Nostalgie und Neuanfang, Hoffnung und Ernüchterung.

„Ich bin noch nicht fertig mit Brasilien“, sagte Lula zum Abschluss seines Besuchs in Jakarta.
„Und Brasilien ist auch noch nicht fertig mit mir.“

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